Denunziantismus 2.0

Facebook will von seinen Usern wissen, ob ihre Freunde ihren echten Realname oder ein Pseudonym verwenden.

Dass viele Leute dort nicht ihren echten Namen benutzen, ist allgemein bekannt und nichts neues. Im Großen und Ganzen toleriert Facebook das auch, was bleibt ihnen auch übrig, jetzt da die Userzahl mit dem Aktienkurs gekoppelt ist.

Dass sich viele Leute darüber aufregen, verwundert trotzdem nicht. Es ist Anstiftung zum Denunziantentum und sowas kotzt einen halt an. Interessant ist, dass die gleichen Leute aber letztlich Verständnis für die Klarnamenpolitik von Facebook haben, weil das so in deren AGB steht, Beispiel:

Leider muss man sagen, dass die Maßnahmen Facebooks, User mit Fantasienamen zu finden, zwar unschön, aber rechtens sind. In den FAQs steht eindeutig, dass Nutzer nur ihre echten Namen angeben dürfen bzw. Spitznamen, solange sie eine Variante des Vornamens sind, Konsequenzen bei Zuwiderhandlungen werden jedoch nicht genannt. Dass sich Facebook aber in letzter Konsequenz vorbehält, entsprechende Accounts zu löschen, sollte trotzdem jedem bewusst sein. [Hervorhebung von mir]

Tatsächlich ist es nicht rechtens. Denn was bedeutet "rechtens" denn? Dass eine Sache im Einklang mit dem Gesetz ist, was im Fall der AGBs von Facebook nämlich nicht der Fall ist. Denn selbstverständlich habe ich als Bürger das Recht, anonym zu kommunizieren. Und Facebook ist ein "soziales Netzwerk" und dient vor allem einem Zweck: der Kommunikation.

Mit Sicherheit werden aber viele Leute der Aufforderung zum Denunzieren nachkommen, leider. Man könnte auch sagen, weil es Deppen sind. Hier ein paar Beispiele solcher Leute aus den Kommentaren der beiden oben verlinkten Blogs:

Aufregerthema? Nein! Ich finde diesen Schritt weder bedenklich noch Stasimäßig. Ganz in Gegenteil. Ich finde es klasse und notwendig um ein Vernünftiges Netzwerk von REALEN Kontakten zu pflegen. Bin mir sicher das das nun wieder in den nächsten Tagen aufgebauscht wird und sich Hinz und Kunz aufregen werden. Aber es sind nun mal Facebook Regeln und wer da nicht mitspielen will soll sich halt aufregen

Oder:

Finde ich gut. Wie oft wurde ich von Leuten mit einer Freundschafts-Anfrage belästigt, die ein nicht-öffentliches Profil hatten und sich z.B. “Ginas Schatzi” nennen. Ohne Foto. Und dann soll man wissen, wer das ist…

Und so weiter. Was ich vor allem überhaupt nicht verstehen kann, was für ein Problem die mit Pseudonymen haben. Wir haben früher in Foren (und z.T. auch heute noch) zu Zigtausenden miteinander kommuniziert und alle waren anonym. Und wir haben uns sogar im Reallive regelmäßig getroffen. Sogar meine Frau hab ich so kennengelernt. Also was wollen die mir erzählen? Dass man anonym keine Leute kennenlernen kann? Oder Spass haben kann?

Einmal mehr sehe ich mich bestätigt, dass Facebook kein "soziales Netzwerk" ist, sondern einfach nur Asozial.


07.07.2012 14:34 CC0 freiheit kritik web20 Recht

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