GenderInnen

Es gibt jetzt also ein Plugin von Microsoft, das den Benutzer darin unterstützt, das sogenannte Binnen-I korrekt zu setzen. OMFG. Ich meine, dieses Binnen-I-Zeugs ist eh kaum zu ertragen. Aber jetzt gibt es auch noch Toolunterstützung dafür. Meine Güte.

Ich frage mich angesichts dessen, wie man das Binnen-I eigentlich korrekt verwendet. Immerhin ist die Referenz, wenn es um Sprache und Grammatik geht, ja der Duden. Oder wie es einer der Kommentatoren bei Golem formuliert: "Die Deutsche Rechtschreibung ist Freeware, sprich, du kannst sie kostenlos nutzen. Allerdings ist sie nicht Open Source, d.h. du darfst sie nicht verändern oder in veränderter Form veröffentlichen."

Sprich: es gibt keine korrekte Verwendung weil es das komplette Konzept in der geschriebenen deutschen Sprache nicht gibt, und wenn auch noch so viele Leute der Meinung sind, dass dem so sei. Ich versuche mir das vorzustellen, was Verwender des Binnen-I's so durch den Kopf gehen mag. Denken die wirklich, dass sich eine Frau beim Lesen eines Textes, der zum Beispiel das Wort "Der Benutzer" enthält, diskriminiert fühlt oder dass daraus hervorgeht, dass der Autor nur männliche Benutzer meint, wenn er das schreibt? Ich kann mir das nicht vorstellen. So dumm kann kein Mensch sein.

Denn was ist denn Geschlechter-Diskriminierung? Diskriminierung ist etwas dann, wenn es die Intention einer Aussage ist, ein Geschlecht niederzumachen, zu beleidigen oder einfach nur herabzuwürdigen, bzw. schlechter zu behandeln als das andere. Nicht die konkret verwendeten Wörter. Und schon gar nicht die Wörter, mit denen wir uns tagaus- tagein miteinander unterhalten, die wir in der Schule gelehrt bekommen haben und für deren korrekte Verwendung es glasklare (wenn auch komplexe) Regeln gibt.

Ein Beispiel für eine Diskriminierung wäre zum Beispiel: Frau am Steuer - das wird teuer. Hier ist völlig klar, was gemeint ist, nämlich, dass Frauen beim Benutzen eines Kraftfahrzeugs mehr Schäden verursachen als Männer, eine Behauptung die sich über das Vorurteil lustig macht, Frauen seien allgemein wenig bis gar nicht technik-affin. Jedoch - und hierum geht es - die verwendeten Wörter an sich sind jeweils für sich betrachtet völlig wertfrei. Die Diskriminierung ergibt sich aus dem Kontext und aus diesem Kontext ergibt sich die Intention des Verfassers. Hier werden Frauen nicht durch die Schreibweise eines Wortes diskriminiert, sondern durch den Sinn der Aussage an sich.

Wenn man sich indessen diesen Satz hier anschaut:

Während das Massaker in der Diaz-Schule und die Misshandlungn in der Polizeikaserne Bolzaneto faktisch straffrei bleiben, sollen die Demonstranten für angebliche Sachbeschädigung bis zu 14 Jahre Knast absitzen.

Hier wird über ein Ereignis berichtet, ein Fakt dargelegt. Es wird keine Meinung geäussert oder ein Urteil oder irgendetwas in dieser Art. Es steht zweifelsfrei fest, dass der Autor dieses Satzes mit "Demonstranten" nicht in beleidigender Weise Frauen ausgeschlossen hat. Das ergibt sich aus der Intention der Aussage, welche sich wie schon oben gezeigt, aus dem Kontext ergibt, dass es sich um einen Bericht eines Ereignisses handelt, welches stattgefunden hat. Der Begriff "Demonstranten" meint hier - und kann gar nicht meinen - nicht DEN Demonstrant oder DIE Demonstrantin, sondern den Modus Operandi, zu dem ein Bürger (und eine Bürgerin!) wird, sobald er oder sie (man merkt schon, wie nervig das wird), sich dazu entschliesst, auf die Strasse zu gehen und sich für eine Sache einzusetzen. Ob das Männlein oder Weiblein, Greis oder Kleinkind, Homosexueller oder Heterosexueller, Zwei- oder Einbeiner, ja sogar Homo Sapiens oder Bewohner des Planeten Helios Prime - ist, spielt keine Rolle. Jeder Leser weiss automatisch, was man sich unter "Demonstranten" vorzustellen hat. Und zwar zuallererst keine tobende Meute testosterongesteuerter Männchen welcher Spezies auch immer.

Aber, ich habe bei diesen Beispiel natürlich geschummelt. Im Original wird das Wort DemonstrantInnen verwendet. Warum? Man weiss es nicht. Aus Angst vor millitanten Feministinnen, die den Autor lynchen könnten? Keine Ahnung.

Mir ist zwar klar, dass in unserer Sprache praktisch alle Bezeichnungen, die irgendetwas mit Menschen, wie Berufen, Titeln, Ämtern oder Rollen zu tun haben, männlich sind. Warum das so ist, ist auch klar: weil zu den Zeiten, als diese Begriffe entstanden sind, Frauen tatsächlich diskriminiert wurden. Dies ist auch das Argument der Verfechter des Binnen-I. Nur - warum soll ich Texte, die ich schreibe anders formulieren, als wenn ich sie sprechen würde? Das ist ungefähr so, als müsste ich eine neue Fremdsprache lernen: Deutsch. Huh? Und wenn es meine Intention ist, jemanden herabzusetzen, dann würde das anders aussehen, so zum Beispiel:

Verwender des Binnen-I sind nicht ganz dicht.

You get the point...


24.07.2012 20:17 CC0 fun kritik politik Geschwätz

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