In Her Name - In Ihrem Namen

Die Serie "In Her Name" gibt es noch nicht auf deutsch, aber wenn es mal eine Übersetzung dafür geben wird, dachte ich mir, schreibe ich hier mal einen deutschen Review der Serie, für den Fall der Fälle sozusagen. Bei dieser Serie handelt es sich um drei Trilogien, die in der folgenden Reihenfolge gelesen werden müssen (Originaltitel):

  1. The Last War: First Contact
  2. The Last War: Legend Of The Sword
  3. The Last War: Dead Soul
  4. Redemtion: Empire
  5. Redemtion: Confederation
  6. Redemtion: Final Battle
  7. The First Empress: From Chaos Born
  8. The First Empress: Forged In Flame (2013)
  9. The First Empress: Mistress Of The Ages (2013)

Ich habe zum jetzigen Zeitpunkt natürlich keine Ahnung, wie die deutschen Bücher einmal betitelt werden, sofern es überhaupt je dazu kommt (was ich nur hoffen kann!). Aber falls die Titel 1:1 übernommen werden, müssten sie so heissen:

  1. Der Letzte Krieg: Erster Kontakt
  2. Der Letzte Krieg: Legende des Schwertes
  3. Der Letzte Krieg: Tote Seele
  4. Die Erlösung: Imperium
  5. Die Erlösung: Konföderation
  6. Die Erlösung: Finale Schlacht
  7. Die erste Kaiserin: Aus dem Chaos geboren
  8. Die erste Kaiserin: In Flammen Geschmiedet
  9. Die erste Kaiserin: Die Gebieterin der Zeitalter

Ich habe die Bücher 1-7 auf englisch gelesen, 8 und 9 werden erst nächstes Jahr (2013) herauskommen.

Die "In Ihrem Namen" Serie ist militärischer Science Fiction, vermengt mit Mystery und Fantasy, allerdings auf eine wirklich gelungende Weise, unten mehr dazu. Zur Handlung nur kurz, da ich ungern allzu viel verraten möchte:

Die Menschen treffen durch Zufall in einem fremden Sonnensystem auf eine unbekannte Rasse, die sich als überaus agressiv erweist. Die fremde Spezies - die Kreela - stürzen die komplette Menschheit, die schon einige hundert Planeten kolonisiert hat, in einen brutalen und blutrünstigen Krieg, der aus der Sicht der Menschen völlig sinnlos zu sein scheint. Die Kreela sind nicht auf Eroberung aus und auch nicht auf das Siegen an sich in einem Kampf. Die Kreela führen den Krieg und des Kämpfens willen. Und zwar - und hier wird es spannend - im Mann-zu-Mann-Kampf mit Schwert, Messer oder nur mit Fäusten.

In der ersten Trilogie "Der Letzte Krieg" ist Ichoru Sato die Hauptfigur, dessen Entwicklung wir über einen recht langen Zeitraum verfolgen können. Grundsätzlich sind die Charaktere, die Hicks entwirft, sehr detailiert gezeichnet und was mir gefallen hat, die meisten der Charaktere sind typisch menschlich ambivalent, sie haben gute und schlechte Seiten, innere Konflikte, Gewissensbisse oder Skrupel (oder auch keine, je nachdem). Allerdings gilt das gleiche für die Kreela-Charaktere, die ebenfalls sehr facettenreich gestaltet sind. Und Hicks bekommt es hin, die Aliencharaktere - obwohl von der Denkweise, Ideologie und Wertvorstellungen völlig anders als Menschen - ebenso ausführlich und mit Liebe zum Detail zu beschreiben. In einem Amazonreview schrieb mal ein User, das faszinierendste an der Serie ist der Umstand, dass man als Leser quasi gezwungen wird, die Bösen (das heisst, die Kreela) zu mögen und die meisten Charaktere der Guten (Menschen) nicht leiden zu können. Und das, obwohl die Kreela blutrünstige Massenmörder sind, denen ein oder tausend Leben hin oder her nichts bedeuten (ihr eigenes mit eingeschlossen übrigens). Und das kann ich bestätigen.

Die Kreela sind überhaupt eine sehr interessante Sache. Ich habe schon viele Science Fictions gelesen und in vielen kamen Aliens in allen möglichen Sorten vor. Unterm Strich finde ich aber die Kreela die bisher am umfassendsten beschriebene Alienrasse, von der ich je gelesen habe. Michael R. Hicks entwirft nicht nur ein Universum, in dem es die Kreela gibt. Er entwirft auch die Geschichte der Kreela, ihre Gesellschaftsform (die ziemlich komplex ist), deren Moralvorstellungen (die wirklich "alien" sind, dazu unten mehr), Beziehnungen zwischen Mitgliedern der Spezies, Umgangsformen, Technologie, Alltag, Rituale, Sitten, Rechtsprechung und vieles mehr. Und er bekommt das so gut hin, dass man sich dorthin gebeamt fühlt.

Das interessanteste an den Kreela ist wohl ihre Moral, in der es vor allen Dingen um Ehre geht. Ehrenvoll zu sterben ist das Grösste für einen Kreela. Und nichts respektieren die Kreela mehr, als einen würdigen Gegner, der sich zu wehren weiss und ihnen einen "guten Kampf" liefert. Je mehr Kreela der Gegener getötet hat, umso mehr steigt er in ihrem Ansehen. Das geht soweit, dass die Kreela auch mal eine Schlacht Schlacht sein lassen und nach einem finalen Zweikampf abzuziehen und ihre verbleibenden Gegner zu verschonen. Das ist recht schwierig in Worte zu fassen, man muss es erleben (d.h. lesen *g*).

Obwohl uns die Kreela auf den ersten Blick wie eine Wikingerkultur aus dem Jahre 700 vorkommen, ist deren Zivilisation sehr alt. Und zwar so alt, dass ihre Technologie ein Niveau erreicht hat, dass sie nicht mehr nach Technologie aussieht. Ihre Schwerter zum Beispiel sind aus "lebendem Metall". Wer viel Science Fiction gelesen hat, weiss, dass damit wohl "Aktive Materie" gemeint ist. Die Kreela, die diese Schwerter herstellen, tun das rein mental ohne Zuhilfenahme von Werkzeugen. Praktisch alles bei den Kreela wird auf diese oder eine ähnliche Weise hergestellt. Es erscheint den Menschen wie Magie und den Kreela als eine jahrtausendealte Selbstverständlichkeit.

In der zweiten Trilogie ist der Mensch Reza Gard die Hauptfigur, der als kleiner Junge von den Kreela entführt und als Kreela aufgezogen wird. Im Grunde ein Klassiker, man kennt das Muster: weisser Junge wird bei Indianern aufgezogen und wird zum Indianer etc. Aber Hicks hat das ausgezeichnet umgesetzt, insbesondere die graduelle Veränderung in Rezas Wesen und Weltanschauung, die Verschiebung seiner Gefühle gegenüber einer Priesterin von Hass zu absoluter Liebe und Ergebenheit. Gerade in dieser zweiten Trilogie sind mir oft die Tränen gekommen. Das geht wirklich ans Herz. Und tatsächlich ist "Die Erlösung" eigentlich eine Liebesgeschichte, die in den Krieg Menschen gegen Kreela eingebettet ist.

Die letzte Trilogie "Die erste Kaiserin" handelt schliesslich nur noch im Kreela-Universum und zwar einhunderttausend Jahre in der Vergangenheit und zeigt, wie die Gesellschaft der Kreela der wir in den vorangehenden Büchern begegnen, entstanden ist. Von dieser Trilogie habe ich bisher nur das erste Buch gelesen und es ist ausgesprochen faszinierend. Und als ich fertig war und feststellen musste, dass die Nachfolgewerke noch nicht fertig sind, hatte ich echte Entzugserscheinungen. Schlimm! Man wird physikalisch süchtig nach der Welt der Kreela.

Wenn die Bücher also eines schönen Tages auf deutsch herauskommen sollten - kann ich jedem nur dringend empfehlen, sie zu lesen. Wirklich gelungen. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich ein Hicks-Fan geworden bin.


17.08.2012 17:47 CC0 inhername kritik scifi Literatur

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