Clouds machen das Web kaputt

Amazons Cloud ist gestern ausgefallen. Das wäre an sich nichts besonderes, wenn nicht deswegen allerlei Websites offline gewesen wären. Von der aufkeimenden Schadenfreude abgesehen, ist das ein schönes Exempel, warum diese sogenannten "Clouds" das Offene Web kaput machen (bzw kaput machen sollen).

Immer mehr Leute hosten nahezu ihren gesamten Content in "der Cloud". Doch was heisst das physikalisch? Allzu viele Cloudanbieter gibt es nicht. Google, Akamai, Amazon und ein paar kleinere Anbieter. Gerade im Web2.0 ist es derzeit geradezu hip, seine Seiten nicht mehr selber zu hosten, sondern bei einem Cloudanbieter. Da es aber nur sehr wenige Anbieter gibt, deren Dienste auch etwas taugen und bezahlbar sind, landen alle bei denen. Die meisten bei Google und Amazon. Und wenn Amazon ausfällt, ist das halbe Web2.0 offline.

Mir persönlich ist das scheissegal. Das Problem ist aber, dass dadurch die Idee, mit der das Web ursprünglich aufgebaut wurde, ad absurdum geführt wird: Dezentralisierung und Redundanz. "Cloud" ist jedoch nichts anderes als Neusprech für "Re-Zentralisierung", denn das ist es, was dabei tatsächlich passiert. Sicherlich mag eine in der Cloud gehostete Site stabiler und ausfallsicherer erscheinen, als eine selbstgehostete beim Provider um die Ecke. Aber die Sicherheit ist nicht mehr als Lug und Trug. Denn letzten Endes handelt es sich um Rechner die da laufen, mit CPUs, Festplatten, Netzwerkkarten und Betriebssystemen. So betrachtet gibt es keine "Cloud". Wenn also jemand seine Website in der Amazon Cloud hostet, dann hostet er sie eigentlich in einem Amazon Rechenzentrum. Fällt das aus, ist er offline, siehe Link am Anfang.

Die potentiellen Schäden steigen expotentiell, je mehr Anbieter von Diensten ihre Dienste nicht mehr selber betreiben. Würde es noch jeder selber machen, dann wäre mal hier 1 Dienst offline und mal dort 1 Anderer. Aber nicht ALLE. Das ist das eine Problem.

Das andere Problem ist, dass durch diese Zentralisierung auch die Daten zentral gespeichert und verarbeitet werden. Und 1 Konzern hat auf Alles Zugriff. Da es ein US Konzern ist (und das sind alle Cloudanbieter), hat auch die US-Regierung auf Alles Zugriff. Und da die US-Regierung Zugriff hat, kann ihn auch jeder sonstige Geheimdienst oder Cop irgendeines westlichen Landes erlangen. Unter Freunden, wissen schon. Für die westlichen Regierungen, die das Konzept der Demokratie und Freiheit schon lange als antik betrachten, ist diese Cloud-Mode sicher der Gipfel ihrer Träume.

Und alle machen mit. Freiwillig. Freudig. Förmlich aufgegeilt davon. Cloud-Madness. Es ist zum Kotzen.


23.10.2012 19:34 CC0 freiheit idioten kritik netz web20 Networking

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