Yes we scan? Fail, OCB!

Eben mach ich eine neue Packung OCB Papers auf und sehe das:

2013-09-21 - Yes we scan!:

21 September 2013 | #gefunden

 

Twitter Spam

Ich betreibe ja für meine Schwiegereltern für deren Ferienwohnung einen Twitteraccount. Ich weiss gar nicht, warum. Irgendwie dachte ich mal, das sei eine gute Idee. Ich poste da schon seit langem nichts mehr und war eigentlich bisher nur zu faul, den zu löschen.

Hin und wieder kommt jedenfalls eine Mail von Twitter mit irgendwelchen Aufforderungen. "Finde neue Freunde!", "Diese neuesten Tweets könnten Dich auch interessieren!", "Geh Wählen!". Ja, "Geh Wählen". Nein, wirklich!

Ich frage mich.

Einmal ganz davon abgesehen, dass Wählen heutzutage ohnehin nahezu sinnlos ist, weil sich alle Parteien, die zur Wahl stehen, präzise identisch verhalten, sobald sie in den Bundestag eingezogen sind, finde ich diese Aufforderung von Twitter anmaßend.

Nichts dagegen einzuwenden, die Wahlbeteiligung erhöhen zu wollen. Aber wenn, dann sollte es dabei um echte Inhalte und nicht um leere Hülsen gehen. Nur "Geh wählen!" reicht da nicht ganz. Das ist so hohl wie die ganzen Wahlplakate, die man überall sieht: nur Gesicht, Name und Partei. Sonst nix, keine Aussage, keine Angabe, warum man diese Person wählen sollte. Nichts.

Mit dieser Art Wahlwerbung unterstreichen die Parteien selber, wie sinnlos das ganze mittlerweile ist. Inhalte sind so uninteressant geworden, dass darauf sogar auf Wahlplakaten verzichtet wird. Und Twitter bläst ins selbe Horn.

*kopfschüttel*

Hinzu kommt, dass Wählen ein Recht des Bürgers ist. Ich wüsste nicht, was ein US-Unternehmen mit meinen Bürgerrechten zu tun hätte. Schon gar nicht möchte ich von einem solchen Unternehmen auf diese Weise daran "erinnert" werden. Der Bürger, der eine solche Erinnerung nötig hat, ist kein guter Staatsbürger, denn als solcher sollte man um seine Rechte wissen. Das ist umso beleidigender wenn man bedenkt, dass das Thema Datenschutz bei Unternehmen wie Twitter überhaupt nicht vorhanden ist. Da wird alles gespeichert und an alle möglichen Behörden herausgegeben.

Und wie gesagt, von der Aufmachung und dem Text her ist es eher eine Aufforderung. Das klingt wie: "Geh wählen, sonst ...". Ja, sonst was?! Sonst darf ich mich nach der Wahl nicht über die Regierung beklagen oder was?

Am beleidigendsten ist das Duzen. Wir sind ja hier in Deutschland und da gibt es durchaus eine Unterscheidung zwischen Du und Sie. Nur weil ich bei Twitter bin heisst das nicht, dass ich und diese Leute dort Kumpels wären. Ein Du bietet man an, sonst ist es eine Frechheit wenn man von wildfremden Erwachsenen als Erwachsener geduzt wird. In diesem Fall ist das der Account meiner Schwiegereltern. Sagen wir, die würden den selber betreiben. Dann hätte Twitter einen 76-jährigen Rentner geduzt. Ja, mir ist klar was der Sinn dieses Duzens ist: es soll den Benutzer vom kritischen Abstand fernhalten, den er womöglich einnehmen könnte, würde er respektvoll gesiezt werden.

Wie dem auch sei. Ich empfinde es als nervig. Klar ist es freiwillig und klar bin ich dort nicht Kunde, sondern Produkt und muss als solches irgendwelche Produktmanagementmaßnahmen (muhaha) hinnehmen oder da nicht mitmachen. Aber man kann vernunftbegabte "Produkte" auch respektvoll und höflich behandeln.

Woanders wird auch geradezu gegen Nichtwähler gehetzt. Am Ende dieses Artikels sind noch weitere Beispiele. Echt merkwürdig. Wo soll das hinführen?

2013-09-22 - Google Wahlwerbung:

Update 2013-09-22:

Sogar Google nervt mit Wahlwerbung. Mann.

20 September 2013 | #geschwätz

 

3 Beinand

2013-09-16 - Augen Rechts!:

2013-09-16 - Augen Links!:

16 September 2013 | #terrarium

 

Humanity!

Bruce Schneier meint, er wäre momentan etwas zu geladen:

Did I Actually Say That?

I'm quoted (also here) as using this analogy to explain how IT companies will be damaged by the news that they've been collaborating with the NSA:

"How would it be if your doctor put rat poison in your medicine? Highly damaging," said Bruce Schneier, a US computer security expert.

Not the most eloquent I've been recently. Clearly I need to relax.

Worauf ihm ein Kevin antwortet:

@Bruce:

Good Sir;

As a man married to a (now) clinical psychologist since we were both undergrads, I urge you to consider your emotive "outburst" a symptom of your sanity responding to an ethical outrage.

Humans, and all their motives are not reduced to code, nor to the sterile language of academia.

Sincerely,

Kevin

Und darauf Buck meint:

@Kevin

Seconded! (Not the personal bits, but about the trials & tribulations of being sane in a world ruled by the truly insane ;-)

"The point is, you see," said Ford, "that there is no point in driving yourself mad trying to stop yourself going mad. You might just as well give in and save your sanity for later."
- Douglas Adams, "Life, the Universe and Everything" (1982)


So ist es nämlich.

13 September 2013 | #gefunden

 

DigiProof: Digitales Testament

Ich hatte mir zu dem Thema digitales Erbe ja schon mal vor einiger Zeit Gedanken gemacht. Inzwischen hatte ich die glorreiche Idee, dafür eine Software zu schreiben, mit der man so ein Testament komfortabel anlegen und verwalten kann. Das "glorreich" klingt etwas ironisch, was (leider) Absicht ist.

Am Anfang hatte ich mich gefragt, wie man so eine Software am besten schreiben kann, so dass sie von möglichst vielen Leuten benutzt werden kann. Es gäbe da diverse Varianten, die mir eingefallen sind:

  • Als native Binary. Das heisst, z.b. in C++ geschrieben und für diverse Plattformen native übersetzt, also als Linux ELF Binary, Windows Exe oder MacOSX App. Die Schwierigkeit - für mich jedenfalls - dabei ist, ein portables GUI Programm zu schreiben. Ich habe mit native GUIs wenig Erfahrung, am ehesten noch mit Perl-TK, was aber für so ein Projekt nicht in Frage käme. Hinzu kommt, dass es für die diversen Systeme die verschiedensten Installationsmethoden gibt. Da ist man jahrelang am rumfrickeln, bis man wirklich die wichtigsten Plattformen untersützt. Also so eher nicht.
  • Als ausfüllbares Dokument. Hier müsste man sich nicht mit irgendwelchen Softwareinstallationen und Portabilität herumschlagen. Allerdings gibt es kein Dokumentenformat, das Formularfelder über alle Plattformen zuverlässig unterstützt. PDF käme dem noch am nähesten, aber unter Unixsystemen ist der Support eher bescheiden. Viel Ahnung hab ich davon auch nicht. Und die Datenpflege in so einem ausgefüllten Formular stelle ich mir auch eher eklig vor. Auch gestrichen.
  • Als Webservice. Das klingt zunächst charmant und in dem Bereich habe ich das meiste Knowhow. Charmant ist das aber nur auf den ersten Blick. Denn ein Webservice bedeutet, dass die Zugangsdaten der Accounts, die man da einträgt, auf einem Server im Netz liegen würden. Und da der Benutzer da immer rankommen können muss, muss es am Server entschlüsselbar sein. Das ist alles der reinste Alptraum und gar nicht machbar. Vom NSA Problem mal ganz abgesehen.
  • Als lokale Javascript App. Ich verwende ja nach wie vor TiddlyWiki, das ist so eine App. Das ist einfach eine HTML Datei, die man sich auf die lokale Platte packt, lokal via file:/// im Browser öffnet und dort Notizen einträgt. Das funktioniert wunderbar, ist portabel und erfordert beim Benutzer keine grossen Aktionen mit Softwaresetups etc. Das klang für mich nach DER tollen Idee.

Die letze Variante habe ich dann umgesetzt. Ich habe unter Verwendung von ember.js eine Javascript App erstellt, mit der man ein digitales Testament erstellen und ausdrucken kann. Die App funktioniert ganz hervorragend, ich hab sie sogar im IE zum Laufen gekriegt.

Im Lauf der Entwicklung hat sich dann jedoch herausgestellt, dass ich da wohl etwas vorschnell und unüberlegt entschieden hatte. Ein Bekannter hatte die Problematik gut auf den Punkt gebracht: Was? Javascript? Und DA soll ich meine ganzen Zugangsdaten eintragen? NEVER EVER! Und er hatte Recht: klar, lokal im Browser geöffnet kann das Teil theoretisch nicht aufs Internet zugreifen und selbstverständlich habe ich auch nicht so eine Funktionalität eingebaut. Nur wer soll mir das glauben? Angesichts der aktuellen Ereignisse um die NSA ist ja vor allem eines sonnenklar: Vertrauen war einmal. Denn ich hatte eigentlich ursprünglich vor, die Idee zu Geld zu machen, sprich: die Software zu verkaufen oder sowas.

Aus dem Vertrauensproblem ergibt sich zwangsweise, dass ich die Software als OpenSource veröffentlichen muss. Dazu gibt es keine Alternative. Unbeteiligte müssen in der Lage sein, anhand des Source zu beurteilen, ob meine Aussagen über die Software stimmen. Ich kann die Software freilich unter die GPL stellen UND trotzdem dafür Geld verlangen. Ich vermute aber mal ganz vorsichtig, dass das wahrscheinlich kein erwähnenswertes Geschäft werden wird, da sich ja jedermann den Source auch einfach ziehen kann. Und da es Javascript ist, muss man da auch nichts compilieren oder so. Runterladen, im Browser aufmachen, gut ist.

So. Das ist der Stand der Dinge. Ich habe nun also die Ehre, die Software hier an dieser Stelle als BETA zu veröffentlichen. Man kann die vorerst testweise benutzen und ausprobieren, bis ich mir überlegt habe, wie es damit letztlich weitergeht.

Hier ein paar Screenshots von dem Tool:

So sieht der Hauptscreen aus:

Man muss einige persönliche Angaben machen:

Hier wird ein Erbe eingegeben:

Und hier die Eingabe der Daten für einen Account, den zuständigen Erben und was der damit machen soll:

So sieht es nach der Eingabe aus:

Das ist das fertig generierte und ausgedruckte Testament:

Hier auch nochmal als PDF: Beispiel Testament Ausdruck (PDF)

 

Man kann die Daten verschlüsselt exportieren:

 

Und natürlich später wieder importieren:

Der Export sieht so aus:

Den Source der aktuellen BETA 2013-09-11-232202 gibt es bei Github.

Hier in Kurzform eine Featureliste:

  • in Javascript/HTML/CSS geschrieben, plattformunabhängig
  • Daten werden nur temporär und nur lokal gespeichert, es wird nichts irgendwo hochgeladen
  • man kann beliebige Accounts anlegen, pro Account die Zugangsdaten, den Erben und was damit zu tun ist
  • man kann ausserdem beliebig viele Erben anlegen, pro Erben auch einen Vertreter/Ersatz
  • das Anlegen von Erben ist optional, per Default würden dann die normalen Erben Rechtsnachfolger (also die, die durch Testament oder gesetzliche Erbfolge erben)
  • das Testament kann man ausdrucken, pro Erbe wird extra ausgegeben, so dass ein Notar jedem Erben getrennte Dokumente aushändigen kann
  • man kann die Daten verschlüsselt exportieren (Verschlüsselt mit einem 32fach mit SHA256 Hash aus einem Passwort mit AES256 im CBC Mode, mit einem Authentication MAC SHA512) und später wieder importieren.
  • Unterstützung für Mehrsprachigkeit, derzeit deutsch und englisch (orientiert sich nach den Browsereinstellungen), hier mal ein Screenshot mit deutscher Sprache.

Zu guter Letzt ein Hinweis: Benutzung auf eigene Gefahr! Ich übernehme keine Gewähr für entstandene Schäden!

12 September 2013 | #source