Königsberger Klopse im Baumarkt

Ich muss ja mehr oder weniger regelmäßig die Insel verlassen, um weiter südlich in Dunkeldeutschland meinem Broterwerb nachzugehen. Da ich kein junger Hüpfer mehr bin und über die Jahre diverse Eigenheiten und Marotten entwickelt habe, gönne ich mir den Luxus einer eigenen Unterkunft in Form einer formidablen Mietwohnung in einem kleineren Ort unweit meiner Arbeitsstelle, die ich nur etwa ein dutzend Wochen im Jahr mit meiner Anwesendheit beehre, was ich jetzt schon seit knapp drei Jahren so handhabe.

Bereits beim Einzug war meine erste Frage gewesen, wo man hier denn einkaufen könne. Einhellig verkündeten Vermieter und Vormieterin, dass der Ort mit einem Aldi gesegnet sei. Obwohl unerfreulich, denn ich mag den Aldi nicht, nahm ich das als gegeben hin, fügte mich in mein jammervolles Schicksal und kaufte fortan, so es die Umstände erforderten, dort ein. Ich muss erwähnen, dass die Entfernung von meiner Behausung bis zum erwähnten Aldi recht erheblich ist, so dass ich mir extra ein gebrauchtes Fahrrad kaufen musste, um dorthin zu gelangen.

Und so kommt es, dass ich alle paar Wochen das Fahrrad, welches übrigens gar furchtbar ist, aufpumpe, die Treppen runterbugsiere und zum Einkaufen fahre. Dies tat ich auch letzten Samstag. Meine Spezivorräte waren aufgebraucht. Der Aldi befindet sich in einem Gewerbegebiet. Gegenüber befindet sich ein Baumarkt mit Getränkemarkt. Dachte ich zumindest. Denn der Name des Marktes lautet "toom Markt". "toom" kenne ich aus meiner Zeit in Bayern. Sofern mich meine Erinnerung nicht trügt, handelt es sich dort um einen Baumarkt. Daher ging ich davon aus, es auch hier mit einem solchen zu tun zu haben. Dass es dort auch Getränke geben musste, ergab sich aus der Tatsache, dass ich hin und wieder Leute mit Bierkästen und ähnlichem den Markt verlassend beobachten konnte.

Just in dem Moment, in dem ich auf den Parkplatz des Aldis einbiegen wollte, ereilte mich ein Geistesblitz. Wozu im Aldi billge Pansche kaufen, wenn man doch ein vermutlich gescheites Spezi im Getränkebaumarkt kaufen könnte? Richtung geändert und vor "toom" das Fahrrad abgeschlossen.

Mir kam es unterschwellig schon immer ein wenig eigenartig vor, aus welchem Grund man in einem Baumarkt Getränke verkaufen sollte. Ich habe dieses leise Grummeln aber immer unter der Kategorie "Du bist hier in Dunkeldeutschland, da mag das anders sein" abgelegt und ignoriert. Mit der gesicherten Erwartung, auf Schrauben, Bohrmaschinen und Bierkästen zu stossen, betrat ich den Markt. Und war schockiert.

Schockiert!

Denn es handelte sich um einen Supermarkt. Einen echten Supermarkt. Mit Käsetheke, Schokoladeabteilung, Gefrierpizzakühltruhen und was eben so dazu gehört. Riesig. Schön. Supermodern. Eine wahnsinnige Auswahl. Ich staunte Bauklötzer. Und grinste von einem Ohr zum anderen. Das Gefühl lässt sich am besten nachvollziehen, wenn man sich vorstellt, zwanzig Jahre in der DDR gelebt zu haben und einen Tag nach dem Fall der Mauer Westberlin bereist und dort zum ersten Mal einen Supermarkt betritt:

"Wie im Westen!"

Freilich kann das kein "Wessi" nachvollziehen, ich gebe es zu. Aber das Gefühl war überwältigend. Der Gipfel des Luxus. Nie wieder Aldi! Gütiger! Da ich in meiner Unterkunft nicht kochen, sondern nur aufwärmen kann (die Herdplatte ist kaputt und Dank Pizzaservice hat sich eine Reparatur nie ergeben), habe ich mich umgehend eingedeckt: frisches Brot, Käse (von der Käsetheke. Teuer. Scheisse, Ja!), Schoki und ein Fertiggericht: Königsberger Klopse. Von REWE.

Und die schmecken vielleicht. Wunderbar. Und das sagt einer, der vom Fach ist (früher mal, jedenfalls). Eine Ära des Darbens und Leidens ist zu Ende. Schön. Wobei mir - alte Meckertante wie ich nun mal bin - dabei in den Sinn kommt, doch Kritik anzumelden: Wie kann man einen Supermarkt nur mit "toom Markt" beschriften? Der Markt hat auch keine Fenster nach vorne so dass man von aussen sehen könnte, um was es sich handelt. Diese Schnösel, man verzeihe mir die Verbitterung, haben mich fast drei Jahre lang leiden lassen. Ich musste Aldinahrung zu mir nehmen und Pizza bestellen. Gar schröcklich.

Die Freude überwiegt jedoch und ich kann daher zum Schluss nur eins sagen: "toom Markt" ist super. Wäre ich bei Facebook und wüsste ich, ob die dort eine Seite haben, ich täte "like" klicken. Nein wirklich!

30 September 2013 | #draussengewesen

 

Wehrmachtssoldaten, Google und ein Bär

Vor ein paar Tagen hatte Google ja seinen 15jährigen Geburtstag. Was auch immer man von Google halten mag, es ist doch schon erstaunlich, was Google leistet. Hier ein Beispiel von heute:

Auf Pleated Jeans bin ich auf dieses Bild gestossen, das dort unter der Rubrik "Pictures that have a lot of Explaining to do" gepostet wurde:

 

 

Und da ich gerade eh nichts besseres zu tun hatte, habe ich die mit Abstand skurrilste Google Suchanfrage abgesetzt, die ich dort je eingegeben habe Wehrmachtssoldaten mit verkleidetem Bär:

 

 

 

 

Und so skurril das ganze auch sein mag, direkt der erste Link war ein Volltreffer:

 

 

 

 

Die Antwort:

Der Bär hat sich wahrscheinlich während der Jagd ergeben und musste mit den Wehrmachtssoldaten daraufhin dieses Siegerbild machen! Es könnte aber auch symbolisch gemeint sein, heißt zum Beispiel dass es für den russischen Bären stehen könnte. Ich tippe allerdings auf einen Brauch. Ort und Datum wären hier sehr hilfreich zur Beantwortung deiner Frage. Ich schätze, dass diese Bilder während des Russlandfeldzugs entstanden sind, und der Bär auf einen Frührjahrskult hindeuten könnte. Wikipedia bestätigt das:

 

Ein ländlicher oberschlesischer Faschingsbrauch ist das Winteraustreiben bzw. Bärenführen. Symbolisiert wird  der Winter durch eine als Bär verkleidete Person. Dieser wird durch eine als Polizist verkleidete Person festgenommen. Gefolgt von weiteren verkleideten Leuten wird der Bär aus dem Ort verwiesen, wobei vorher von Haus zu Haus gezogen wird. Der Bär soll auch für das Böse stehen, das aus dem Ort herausgebracht wird. In manchen Orten besteht das Bärenkostüm traditionell aus Stroh. In der Fastnachtszeit wird auch der „Babski Comber“ bzw. „Comber“ (aus dem Deutschen: Zampern) gefeiert. Ein Faschingsfest das den Frauen vorbehalten ist, jedoch gewährt man auch den als Frauen verkleideten Männern den Eintritt.

 

Und wenn man dem nachgeht, findet man den Brauch tatsächlich bei Wikipedia beschrieben: Bärenführen.

 

Ich könnte nicht sagen, wie ich das ohne Google hätte herausfinden können. Insofern: Alles Gute zum Geburtstag, Google!

 

PS: Somit konnte ich denn auch die Frage dort bei Pleated Jeans beantworten:

 

About the last one: This is part of an quasi-religous ritual in Upper Slesia which is still practised today. Someone dresses up as a bear and some other people dressed up as police officers or something like that “arrest” the bear and lead him out of the village. It’s part of a carnival ceremony called Bärenführen (page only in german, sorry). Probably the Wehrmacht soldiers on the image were somewhere in the east (now poland) when the ceremony were upheld and participated.

 

 


29 September 2013 | #gefunden

 

Yes we scan? Fail, OCB!

Eben mach ich eine neue Packung OCB Papers auf und sehe das:

2013-09-21 - Yes we scan!:

21 September 2013 | #gefunden

 

Twitter Spam

Ich betreibe ja für meine Schwiegereltern für deren Ferienwohnung einen Twitteraccount. Ich weiss gar nicht, warum. Irgendwie dachte ich mal, das sei eine gute Idee. Ich poste da schon seit langem nichts mehr und war eigentlich bisher nur zu faul, den zu löschen.

Hin und wieder kommt jedenfalls eine Mail von Twitter mit irgendwelchen Aufforderungen. "Finde neue Freunde!", "Diese neuesten Tweets könnten Dich auch interessieren!", "Geh Wählen!". Ja, "Geh Wählen". Nein, wirklich!

Ich frage mich.

Einmal ganz davon abgesehen, dass Wählen heutzutage ohnehin nahezu sinnlos ist, weil sich alle Parteien, die zur Wahl stehen, präzise identisch verhalten, sobald sie in den Bundestag eingezogen sind, finde ich diese Aufforderung von Twitter anmaßend.

Nichts dagegen einzuwenden, die Wahlbeteiligung erhöhen zu wollen. Aber wenn, dann sollte es dabei um echte Inhalte und nicht um leere Hülsen gehen. Nur "Geh wählen!" reicht da nicht ganz. Das ist so hohl wie die ganzen Wahlplakate, die man überall sieht: nur Gesicht, Name und Partei. Sonst nix, keine Aussage, keine Angabe, warum man diese Person wählen sollte. Nichts.

Mit dieser Art Wahlwerbung unterstreichen die Parteien selber, wie sinnlos das ganze mittlerweile ist. Inhalte sind so uninteressant geworden, dass darauf sogar auf Wahlplakaten verzichtet wird. Und Twitter bläst ins selbe Horn.

*kopfschüttel*

Hinzu kommt, dass Wählen ein Recht des Bürgers ist. Ich wüsste nicht, was ein US-Unternehmen mit meinen Bürgerrechten zu tun hätte. Schon gar nicht möchte ich von einem solchen Unternehmen auf diese Weise daran "erinnert" werden. Der Bürger, der eine solche Erinnerung nötig hat, ist kein guter Staatsbürger, denn als solcher sollte man um seine Rechte wissen. Das ist umso beleidigender wenn man bedenkt, dass das Thema Datenschutz bei Unternehmen wie Twitter überhaupt nicht vorhanden ist. Da wird alles gespeichert und an alle möglichen Behörden herausgegeben.

Und wie gesagt, von der Aufmachung und dem Text her ist es eher eine Aufforderung. Das klingt wie: "Geh wählen, sonst ...". Ja, sonst was?! Sonst darf ich mich nach der Wahl nicht über die Regierung beklagen oder was?

Am beleidigendsten ist das Duzen. Wir sind ja hier in Deutschland und da gibt es durchaus eine Unterscheidung zwischen Du und Sie. Nur weil ich bei Twitter bin heisst das nicht, dass ich und diese Leute dort Kumpels wären. Ein Du bietet man an, sonst ist es eine Frechheit wenn man von wildfremden Erwachsenen als Erwachsener geduzt wird. In diesem Fall ist das der Account meiner Schwiegereltern. Sagen wir, die würden den selber betreiben. Dann hätte Twitter einen 76-jährigen Rentner geduzt. Ja, mir ist klar was der Sinn dieses Duzens ist: es soll den Benutzer vom kritischen Abstand fernhalten, den er womöglich einnehmen könnte, würde er respektvoll gesiezt werden.

Wie dem auch sei. Ich empfinde es als nervig. Klar ist es freiwillig und klar bin ich dort nicht Kunde, sondern Produkt und muss als solches irgendwelche Produktmanagementmaßnahmen (muhaha) hinnehmen oder da nicht mitmachen. Aber man kann vernunftbegabte "Produkte" auch respektvoll und höflich behandeln.

Woanders wird auch geradezu gegen Nichtwähler gehetzt. Am Ende dieses Artikels sind noch weitere Beispiele. Echt merkwürdig. Wo soll das hinführen?

2013-09-22 - Google Wahlwerbung:

Update 2013-09-22:

Sogar Google nervt mit Wahlwerbung. Mann.

20 September 2013 | #geschwätz

 

3 Beinand

2013-09-16 - Augen Rechts!:

2013-09-16 - Augen Links!:

16 September 2013 | #terrarium