Kachelmann Bellt

Eigentlich interessiert mich der Fall Kachelmann ja nicht so wirklich. Nichts desto trotz lief neulich bei Günter Jauch eine Talkshow, in die ich zufällig beim Werbung-Wegzappen hineingeraten bin, wo der Mann anwesend war. Aus irgendeinem Grund bin ich hängengeblieben. Im Nachhinein betrachtet, war dieser Grund seine Frau. Die hat ihn verteidigt wie eine Löwin ihre Jungen und das hat mich stutzig gemacht.

Ich fasse mal kurz zusammen, was Kachelmann und seine Frau in der Sendung ausgesagt haben: er sei ein Verleumdungsopfer und zwar - das ist entscheidend - eines von Vielen. Die anderen Diskutanten haben zwar sehr kompetent auf Studien verwiesen, nach denen es solche Fälle zwar gibt, diese aber eher selten sind in Deutschland. Davon wollte die Frau Kachelmann nichts wissen. Das war ein geradezu klassisches Beispiel kognitiver Dissonanz, was man da beobachten konnte. Ihre "Gegenargumente" waren ein Psychologe in Hamburg (in Worten: 1), der von "vielen" Fällen berichtet, in denen Männer fälschlicherweise der Vergewaltigung beschuldigt worden seien. Plus der eigenen Erfahrung. Das ist alles.

Nun frage ich mich ja gerne mal nach dem berühmten "qui bono": Warum? Warum arbeitet Kachelmann seine Erfahrungen in einem Buch auf? Warum promotet er dieses Buch so offensiv? Warum reisst sich seine Frau buchstäblich den A*** auf, um ihn dabei zu unterstützen? Und warum ist es den beiden (mehr ihr, als ihm) so offensichtlich wichtig, dass sein Fall einer von vielen ist?

Man kann die meisten Fragen an sich bereits anhand der Reihenfolge der Fragen leicht beantworten und man muss auch kein besonders guter Psychologe sein, um dahinter zu kommen. Dass der Mann sein Buch verkaufen will, ist völlig nachvollziehbar, von irgendwas muss er ja leben. Dass seine Frau ihm dabei hilft, erstmal auch, weil sie will davon auch mit-leben. Aber die Nummer mit dem "ein Fall von vielen" ist komplizierter. Stellen wir mal ein Gedankenexperiment an und sagen uns: er wars doch. Und nehmen wir weiter an, dass seine Frau es ahnt oder sich nicht sicher ist. Beides reicht als Motivation für ihre Handlungen völlig aus. Dann unter dieser Prämisse macht das Verhalten erst einen Sinn.

Denn wenn man nämlich zugibt, dass eine falsch behauptete Vergewaltigung eher selten ist, dann muss man erkennen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es ausgerechnet Herrn Kachelmann getroffen hat, recht niedrig ist (nicht Null, immerhin). Und wenn die Wahrscheinlichkeit einer Falschbeschuldigung sehr niedrig ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Anschuldigungen richtig sind, entsprechend höher. Würde Frau Kachelmann also in diesem Punkt einlenken und zugeben, dass eine Falschbeschuldigung selten ist, müsste sie irgendwie mit ihren Zweifeln klarkommen. Das kann sie aber nicht, sie hat sich ihre Meinung bereits gebildet. Kognitive Dissonanz eben. Sie muss dabei bleiben um mit sich selbst im Einklang zu bleiben, denn sonst müsste sie sich womöglich die Frage stellen, dass sie sich mit einem Vergewaltiger in eine Beziehung eingelassen hat. Diesen Punkt hat sie aber längst hinter sich gelassen. Und mit jeder Talkshow, jedem Interview und jeder Lesung gerät sie weiter davon weg.

Herr Kachelmann hätte im Umkehrschluss dann natürlich auch ein starkes Motiv, die Einzelfalltheorie abzulehnen. Denn wie stünde er sonst da? Zumal er ja nun weiss, was tatsächlich passiert ist.

Wenn man das gleiche Gedankenexperiment jedoch mit vertauschen Vorzeichen durchführt, das heisst man geht davon aus, dass er es nicht war und seine Frau nicht die geringsten Zweifel hat, dann führt es in eine Sackgasse. Das beobachtete Verhalten macht keinen Sinn. Wenn ich WEISS, dass ich unschuldig bin, macht es keinen Unterschied, ob ich einer der selten falsch Beschuldigten bin. Es wäre schlichtweg egal, ob ich einer von Tausend oder einer von einer Million wäre. Unschuldig ist Unschuldig.

Warum also auf diesem speziellen Punkt so aufwändig herumreiten? Noch dazu mit einer so an den Haaren herbeigezogenen, unwissenschaftlichen Argumentation? Das ergibt keinen Sinn. Es sei denn, er wars.

Tja. Nun ist der Mann freigesprochen worden und damit hat sich der Fall erledigt. Insofern kann ich hier herumspekulieren wie ich will. Aber eigenartig ist das ganze irgendwie schon.

17 October 2012 | #geschwätz

 

Fachbücher als eBook

Neuerdings habe ich ja einen eBook-Reader und bin auch sehr zufrieden damit. Nun hab ich angefangen, mir neben Romanen auch mal ein paar Fachbücher auf das Teil zu laden, zum Beispiel das Arduino Cookbook. Und ich muss sagen, DAS ist eine ganz schlechte Idee gewesen.

Einen Roman liest man ja üblicherweise linear von vorn nach hinten durch und muss dazu im Reader lediglich ab und zu auf "next page" klicken. Bei einem Fachbuch wie dem Arduino Cookbook jedoch sucht man bestimmte Dinge. Ich gehe also ins Inhaltsverzeichnis. Das allein beansprucht auf dem Reader schon knapp 10 Seiten. Dort finde ich dann irgendein Kapitel was ich gerade lesen will, es ist - sagen wir - auf Seite 285. Nun muss ich das Optionsmenü aufmachen, "Zu Seite gehen" auswählen, dort ist so ein Schieberegler, wo man mehr oder weniger genau zu einer bestimmten Seite scrollen kann, und bis 285 scrollen.

Aber das ist dann nicht das gesuchte Kapitel, weil die Seitenangaben im Inhaltsverzeichnis nicht mit denen im Reader übereinstimmen. Ich muss dann also noch ein paar dutzend mal hin und her scrollen, bis ich bin, wo ich hinwollte. Endlich bin ich da und es stellt sich heraus: langweilig, kenn ich schon. Also zurück zum Inhaltsverzeichnis, wieder Optionsmenü, "Zu Seite gehen", rumscrollen, hinspringen, wieder falsch gelandet, wieder hin und her gehen, bis ich in dem Teil des Inhaltsverzeichnisses bin, wo ich vorher war.

Und so weiter.

In einem gedruckten Buch öffne ich das Inhaltsverzeichnis, halte den Daumen rein, gehe zur gewünschten Seite (was allein schon gefühlte hundertmal schneller geht als beim Reader) und guck nach. Falls langweilig, wieder die Stelle im Inhaltsverzeichnis aufschlagen, was in etwa 0.1 ns erledigt ist, da dort mein Daumen noch drinnen gesteckt hatte. Und im Lauf der Zeit sammeln sich dann auch diverse Eselsohren an von den Stellen, die mir wichtig waren. Oder wenn ich konkret am Elektronikbasteln bin, kann ich das Buch neben den Lötkolben legen und Löten und Nachschlagen gleichzeitig. Mit dem Reader wäre das ein Ding der Unmöglichkeit.

Insofern werde ich weiter echte gedruckte Bücher kaufen, und zwar immer dann, wenn es sich um Fachbücher handelt. Das Problem dabei ist allerdings gar nicht mal das grundsätzliche Konzept eBook-Reader, es ist das Format, in dem die Bücher üblicherweise vorliegen. Meist als PDF (meins war ein PDF). Wenn die Einträge im Inhaltsverzeichnis Links wären, denen man auf einem Reader auch folgen kann, wäre das schon die halbe Miete. Und wenn es dann auf jeder Seite noch einen Link zurück gäbe zu der Stelle im Inhaltsverzeichnis, wo das Kapitel verlinkt ist, wäre es perfekt.

Die Technologie dafür - Links (!) - gibts schon ein bischen länger. Warum es das in eBooks nicht gibt, ist mir ein Rätsel. Vielleicht ist das beim epub Format anders, das ist HTML. Aber nicht alles gibt es halt als epub. Man kann ein PDF zwar zu epub konvertieren (hab ich gemacht zwecks Lesbarkeit), aber dann enthält es deswegen immer noch keine Links.

17 October 2012 | #literatur

 

Felix Baumgartner Sonic Freefall Live

Grad bei RTL haben sie angekündigt, den Schallmauersprung live zu übertragen. Aber statt dessen kam irgendein Scheiss. Zum Glück haben wir das Internet Ihr Deppen: http://www.ustream.tv/cbsnews. Da kann man live zuschauen. Wie cool ist das denn?! Witzigerweise befindet sich Mission Control in Roswell, New Mexico :)

2012-10-14 - To Ground:

2012-10-14 - Landing:

2012-10-14 - Felix Mom:

2012-10-14 - Jump:

2012-10-14 - Rampe:

2012-10-14 - Foots Outside:

2012-10-14 - Ausstieg:

2012-10-14 - Door Opens:

2012-10-14 - Spaceview:

2012-10-14 - Helium Ballon:

2012-10-14 - Mission Control CBS:

2012-10-14 - Capsule Outside View:

2012-10-14 - Baumgartner Inside:

Update 2012-10-14:

Rekord geschafft! Klasse!<p>Update 2012-10-14:</p>Er steht jetzt draussen auf der Rampe!<p>Update 2012-10-14:</p>Ah, bei N-TV kommt es auch live<p>Update 2012-10-14:</p>Druckausgleich, man hört es zischen und der Luftdruck geht langsam runter.<p>Update 2012-10-14:</p>“We’re getting serious now, Felix”<p>Update 2012-10-14:</p>Pfft, die sind gründlich :)<p>Update 2012-10-14:</p>Absprunghöhe erreicht, die gehen die Checkliste durch. Wow, voll aufregend!

14 October 2012 | #science

 

Krimskrams, Goggelmoggel und Muggefugg

Update 2012-10-24:

Wie L<hier|/blog/2012/10/11/183/krimskrams-goggelmoggel-und-muggefugg/#update-2012-10-11-20:05> bereits berichtet, habe ich ja auch bei L<Humble Bundle|https://www.humblebundle.com/> teilgenommen. Wie Heise nun L<berichtet|http://heise.de/-1735699>, hat die Aktion zu Einnahmen von 1,2 Millionen US-Dollar geführt, die von ca 84.000 Käufern eingenommen wurden. Klasse!.<p>Update 2012-10-14:</p>L<How much do cats actually kill?|http://theoatmeal.com/comics/cats_actually_kill><p>Update 2012-10-14:</p><blockquote> Ein Bürger braucht keine rechtliche Grundlage dafür zu handeln. Nur staatliches Handeln bedarf einer ausdrücklichen rechtlichen Grundlage.</blockquote> Thomas Stadler<p>Update 2012-10-11:</p>L<Sie haben Krebs|http://wirres.net/article/articleview/6521/1/6/><p>Update 2012-10-11:</p>Hm. Pocketbook wird vom Rechner nicht erkannt. OS zu alt zum Updaten. Micro-SD-Adapter-Stick hab ich nicht hier. Was tun? Karte ins Handy getan, eBooks auf den Server geladen, vom Handy aus runtergeladen, auf die Karte geschoben, Karte in den Reader und ab dafür. Warum einfach?<p>Update 2012-10-11:</p>L<7 Bücher zum Preis von 12 Euro|https://www.humblebundle.com/>. SO verkauft man eBooks! Und nicht wie hierzulande mit Buchpreisbindung für 20-30 Euro pro Datei!</p><p>Klick. Deal. Download. Sehr schön, so muß das..<p>Update 2012-10-11:</p><h2>Weil die Klügeren ständig nachgeben, regieren die Dummen diese Welt!</h2>

11 October 2012 | #gefunden

 

Plugin Interface für Config::General

Meistens sind Bugreports eher lästig. Zum einen verursachen sie Arbeit und zum anderen erinnern sie den Entwickler mit zuverlässiger Regelmäßigkeit daran, dass niemand perfekt ist, auch man selbst nicht. Und dass die besten Unittests niemals alle Anwendungsfälle abdecken können.

Aktuell habe ich für das Perl Modul Config::General einen Bugreport, der eigentlich ein Featurerequest ist: rt.cpan.org#79694. Aber die Idee an sich finde ich überaus charmant: Plugins. Immer wieder kommen nämlich Leute daher, die gerne dieses Spezialverhalten brauchen oder jenes Spezialverhalten. Sofern ich das als sinnvoll erachte und es machbar ist, implementiere ich dann einen entsprechenden Parameter, der das Verhalten einschaltet und programmiere es in das Modul ein.

Das ist schön für den OP, aber es bläht mit der Zeit den Code auf. Tatsächlich bestehen sicher über 80% des Moduls nur aus solchen implementieren Feature-Requests. Entsprechend viele Parameter hat das Modul, die sich zu allem Unglück auch gerne mal in die Quere kommen, weshalb es weitere Parameter und Code gibt, um das zu verhindern oder umgehen zu können.

Man ahnt schon, wo das hinführen wird: ins Chaos.

Aber mit Plugins kann ich mir das "Problem" immer abgedrehterer Spezialwünsche elegant vom Hals halten. Der jenige kann sich dann sein Spezialverhalten einfach selber bauen. Womöglich kann ich auch sowas wie eine "Rezeptesammlung" der besten Plugins anlegen oder so.

Hier also mein Kommentar dazu im erwähnten Bugreport.

Well. Now I started to add some kind of plugin interface to the module. This way one could change the modules behavior in any way. This would solve your problem as well, I think.

Here's some first shot at it:

#!/usr/bin/perl
use lib qw(blib/lib);
use Config::General qw(ParseConfig);
use Data::Dumper;

sub ck {
  my($file, $base) = @_;
  print "_open() tries $file ... ";
  if($file =~ /blah/) {
    print "ignored\n";
    return (0);
  }
  else {
    print "allowed\n";
    return (1, @_);
  }
}

my %c = ParseConfig(
              -IncludeGlob => 1,
              -UseApacheInclude => 1,
              -ConfigFile => shift,
              -Plug => { pre_open => *ck }
);

print Dumper(\%c);

Output:

_open() tries cfg ... allowed
_open() tries x/*.conf ... allowed
_open() tries x/1.conf ... allowed
_open() tries x/2.conf ... allowed
_open() tries x/blah.conf ... ignored
$VAR1 = {
          'niemand' => '2',
          'hallo' => '1'
        };

However, I'll need some time to figure out which are the best places for hooks to add. But you'll get the picture.

10 October 2012 | #source