Piraten in Schleswig-Holstein Unglaubwürdig

Ich hatte ja eigentlich nicht vor, über Politik zu bloggen. Aber für die Piraten in SH mache ich mal eine Ausnahme. Zunächst möchte ich nur 3 Postings der Piratenfraktion SH verlinken:

  1. Etablierte Fraktionen grenzen transparente Piraten aus
  2. Verteilung der Fraktionsmittel [..]
  3. Stellenanzeige Pressesprecher

Link 1 und 2 sind schnell erläutert. Die Piratenfraktion SH hat es sich zur Angewohnheit gemacht, die Beschlüsse der übergreifenden Fraktionen zu veröffentlichen. Das tun sie wegen der Transparenz, die sie sich auf die Fahnen geschrieben haben. Feine Sache, an sich. Nun haben die anderen Fraktionen die Piraten aus irgendwelchen Sitzungen deswegen ausgeschlossen - weniger fein - worüber sich die Piraten aufregen. Verständlich.

Und dann wäre da der dritte Link: man sucht einen Pressesprecher.

Eigentlich muss man es nicht erklären, ich tue es aber trotzdem: was ist der Zweck eines Pressesprechers? Wenn eine Institution, Organisation oder Unternehmen ein Problem hat, über das negativ berichtet wird und welches ungewollte Aufmerksamkeit erzeugt, wo unangenehme Fragen gestellt werden, dann verwendet man einen Pressesprecher. Diese Person (manchmal sind es auch mehrere oder gleich eine ganze Abteilung) fungiert als Schutzschild, um die Betroffenen (d.h. aus Sicht der Öffentlichkeit normalerweise Schuldigen) vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Zum einen, um diese Personen nicht diesen unangenehmen Fragen auszusetzen und zum anderen um zu vermeiden, dass diese Personen unter Umständen Dinge sagen, die sie nicht sollten.

Diese Dinge, die nicht gesagt werden sollen und die, die gesagt werden sollen bzw wie sie gesagt werden sollen, fasst man üblicherweise als Sprachregelung zusammen. Es passiert also etwas schwerwiegendes, das zu schlechter Presse führt, etwas Peinliches, Strafbares oder Unmoralisches. Um Schaden von der Organisation abzuwenden bzw den Schaden zumindest so gering wie möglich zu halten, setzt sich die Leitung der Organisation zusammen und beschliesst, wie zu diesem Thema nach aussen kommuniziert werden soll. Und damit diese Line - die Sprachregelung - auch eingehalten wird, braucht es eine zentrale Stelle, die dafür zuständig ist. Der Pressesprecher.

Fragt sich, wozu der Aufwand. Was soll so schlimm daran sein, wenn irgendwelche anderen Angehörigen der Organisation sich öffentlich zu dem Thema äussern? Nun - und das sollte eigentlich jedem klar sein - so jemand könnte die Wahrheit sagen. Und eine "Sprachregelung" ist üblicherweise nicht die Wahrheit. Im besten Fall kommt sie der Wahrheit nahe. Normalerweise werden die Dinge aber beschönigt, Teile weggelassen, Aussagen verdreht oder glatt gelogen. Und jeder, der im Fernsehen schon einmal das Gebahren eines Pressesprechers beobachtet hat (z.b. war das sehr schön während der Verhandlungen zwischen der Bahn AG und der Lokführergewerkschaft zu sehen), der konnte klar erkennen, was die Funktion des Pressesprechers ist. Er ist ein Schild. Er bekommt den Schmutz ab. Er befindet sich in der unangenehmen Lage, in der sich eigentlich der Chef der Organisation befinden sollte, für den der Pressesprecher tätig ist.

Zurück zu den Piraten. Die Piraten - auch die in SH - behaupten also von sich, Politik transparent gestalten zu wollen. Man kann sich nicht darüber beklagen, dass sie es nicht versuchen würden, siehe Link 2 oben. Ich muss mich trotzdem wundern, wozu um alles in der Welt diese Fraktion einen Pressesprecher braucht, der (auch das ist üblich bei Pressesprechern) auch noch für PR oder Öffentlichkeitsarbeit zuständig sein soll. Hätten die Piraten tatsächlich vor, sich auch selbst an ihre Transparenzforderungen zu halten, würden sie gemachte Fehler persönlich und öffentlich zugeben, sollte es dazu kommen. Und dann hätten sie auch keine Öffentlichkeitsarbeit nötig, denn immerhin ist Politik ja per definition bereits "Öffentliche Arbeit". Öffentlichkeitsarbeit ist in Wirklichkeit auch nur Neusprech und bedeutet so viel wie "Die Öffentlichkeit Bearbeiten", d.h. Lenken. Oder - Klartext - belügen.

Die Stellenanzeige ist aber online. Und damit ist klar, was von den Piraten in SH zu halten ist. So bedauerlich das auch immer sein mag. Sie gehen selbst davon aus, irgendwann zukünftig in eine Lage zu geraten, in der sie ihre Transparenzforderungen in den Wind schlagen werden. Wer aber von Anderen etwas fordert, das er selbst nicht einhundertprozentig einzuhalten gedenkt, ist unglaubwürdig. Woher soll man wissen, was bei den Piraten zukünftig wirklich vor sich geht, wenn deren Webauftritt nur noch von diesem Pressemenschen gepflegt wird? Ist die aktuelle Meldung dann einfach nur ein Tatsachenbericht aus einer Sitzung oder handelt es sich um eine bearbeitete "Sprachregelung"? Man weiss es nicht. Und insofern kann man deren gesamten Äusserungen dann in die Tonne treten.

Davon abgesehen, beinhaltet die erwähnte Stellenanzeige noch eine Bedingung, die man erfüllen muss, sollte man sich bewerben wollen:

Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung

Offensichtlich haben die Piraten den Sinn des Grundgesetzes nicht richtig verstanden. Es enthält Grundrechte, die den Bürger vor dem Staat schützen sollen. Das ist nichts, wozu man sich bekennen kann. Und es enthält Regelungen, wie der Staat zu funktionieren hat. Auch dazu muss man sich nicht bekennen. Denn das Grundgesetz gilt für den Staat, nicht für den Bürger. Der Staat hat sich an das Grundgesetz zu halten. Und ein Pressesprecher macht keine Gesetze und muss sich somit auch nicht um das GG kümmern. Oder gar dazu bekennen. Eine solche Bedingung zu stellen ist einfach nur blöde. Das ist genauso dämlich wie die neueste Regelung zur Vereinsfinanzierung, wo ein Verein nur eine Förderung erhalten kann, wenn er sich zum GG bekennt. Dämlich. Richtig dämlich.

19 August 2012 | #gesellschaft

 

Visitenkarten und Werbebroschüre für Ferienwohnung

Heute habe ich endlich die Visitenkarten und Werbebroschüre für die Ferienwohnung meines Schwiegerpapis fertig bekommen und in Druck gegeben. Ich hoffe, das Druckergebnis wird so ausfallen, wie ich es mir vorstelle.

Hier ist die fertige Broschüre (mit Distiller komprimiert, das ist nicht die Druckversion). Vorschau der Visitenkarte und Broschüre anbei.

2012-08-18 - Broschüre Vorschau:

2012-08-18 - Visitenkarte Vorschau:

18 August 2012 | #ferienwohnung

 

In Her Name - In Ihrem Namen

Die Serie "In Her Name" gibt es noch nicht auf deutsch, aber wenn es mal eine Übersetzung dafür geben wird, dachte ich mir, schreibe ich hier mal einen deutschen Review der Serie, für den Fall der Fälle sozusagen. Bei dieser Serie handelt es sich um drei Trilogien, die in der folgenden Reihenfolge gelesen werden müssen (Originaltitel):

  1. The Last War: First Contact
  2. The Last War: Legend Of The Sword
  3. The Last War: Dead Soul
  4. Redemtion: Empire
  5. Redemtion: Confederation
  6. Redemtion: Final Battle
  7. The First Empress: From Chaos Born
  8. The First Empress: Forged In Flame (2013)
  9. The First Empress: Mistress Of The Ages (2013)

Ich habe zum jetzigen Zeitpunkt natürlich keine Ahnung, wie die deutschen Bücher einmal betitelt werden, sofern es überhaupt je dazu kommt (was ich nur hoffen kann!). Aber falls die Titel 1:1 übernommen werden, müssten sie so heissen:

  1. Der Letzte Krieg: Erster Kontakt
  2. Der Letzte Krieg: Legende des Schwertes
  3. Der Letzte Krieg: Tote Seele
  4. Die Erlösung: Imperium
  5. Die Erlösung: Konföderation
  6. Die Erlösung: Finale Schlacht
  7. Die erste Kaiserin: Aus dem Chaos geboren
  8. Die erste Kaiserin: In Flammen Geschmiedet
  9. Die erste Kaiserin: Die Gebieterin der Zeitalter

Ich habe die Bücher 1-7 auf englisch gelesen, 8 und 9 werden erst nächstes Jahr (2013) herauskommen.

Die "In Ihrem Namen" Serie ist militärischer Science Fiction, vermengt mit Mystery und Fantasy, allerdings auf eine wirklich gelungende Weise, unten mehr dazu. Zur Handlung nur kurz, da ich ungern allzu viel verraten möchte:

Die Menschen treffen durch Zufall in einem fremden Sonnensystem auf eine unbekannte Rasse, die sich als überaus agressiv erweist. Die fremde Spezies - die Kreela - stürzen die komplette Menschheit, die schon einige hundert Planeten kolonisiert hat, in einen brutalen und blutrünstigen Krieg, der aus der Sicht der Menschen völlig sinnlos zu sein scheint. Die Kreela sind nicht auf Eroberung aus und auch nicht auf das Siegen an sich in einem Kampf. Die Kreela führen den Krieg und des Kämpfens willen. Und zwar - und hier wird es spannend - im Mann-zu-Mann-Kampf mit Schwert, Messer oder nur mit Fäusten.

In der ersten Trilogie "Der Letzte Krieg" ist Ichoru Sato die Hauptfigur, dessen Entwicklung wir über einen recht langen Zeitraum verfolgen können. Grundsätzlich sind die Charaktere, die Hicks entwirft, sehr detailiert gezeichnet und was mir gefallen hat, die meisten der Charaktere sind typisch menschlich ambivalent, sie haben gute und schlechte Seiten, innere Konflikte, Gewissensbisse oder Skrupel (oder auch keine, je nachdem). Allerdings gilt das gleiche für die Kreela-Charaktere, die ebenfalls sehr facettenreich gestaltet sind. Und Hicks bekommt es hin, die Aliencharaktere - obwohl von der Denkweise, Ideologie und Wertvorstellungen völlig anders als Menschen - ebenso ausführlich und mit Liebe zum Detail zu beschreiben. In einem Amazonreview schrieb mal ein User, das faszinierendste an der Serie ist der Umstand, dass man als Leser quasi gezwungen wird, die Bösen (das heisst, die Kreela) zu mögen und die meisten Charaktere der Guten (Menschen) nicht leiden zu können. Und das, obwohl die Kreela blutrünstige Massenmörder sind, denen ein oder tausend Leben hin oder her nichts bedeuten (ihr eigenes mit eingeschlossen übrigens). Und das kann ich bestätigen.

Die Kreela sind überhaupt eine sehr interessante Sache. Ich habe schon viele Science Fictions gelesen und in vielen kamen Aliens in allen möglichen Sorten vor. Unterm Strich finde ich aber die Kreela die bisher am umfassendsten beschriebene Alienrasse, von der ich je gelesen habe. Michael R. Hicks entwirft nicht nur ein Universum, in dem es die Kreela gibt. Er entwirft auch die Geschichte der Kreela, ihre Gesellschaftsform (die ziemlich komplex ist), deren Moralvorstellungen (die wirklich "alien" sind, dazu unten mehr), Beziehnungen zwischen Mitgliedern der Spezies, Umgangsformen, Technologie, Alltag, Rituale, Sitten, Rechtsprechung und vieles mehr. Und er bekommt das so gut hin, dass man sich dorthin gebeamt fühlt.

Das interessanteste an den Kreela ist wohl ihre Moral, in der es vor allen Dingen um Ehre geht. Ehrenvoll zu sterben ist das Grösste für einen Kreela. Und nichts respektieren die Kreela mehr, als einen würdigen Gegner, der sich zu wehren weiss und ihnen einen "guten Kampf" liefert. Je mehr Kreela der Gegener getötet hat, umso mehr steigt er in ihrem Ansehen. Das geht soweit, dass die Kreela auch mal eine Schlacht Schlacht sein lassen und nach einem finalen Zweikampf abzuziehen und ihre verbleibenden Gegner zu verschonen. Das ist recht schwierig in Worte zu fassen, man muss es erleben (d.h. lesen *g*).

Obwohl uns die Kreela auf den ersten Blick wie eine Wikingerkultur aus dem Jahre 700 vorkommen, ist deren Zivilisation sehr alt. Und zwar so alt, dass ihre Technologie ein Niveau erreicht hat, dass sie nicht mehr nach Technologie aussieht. Ihre Schwerter zum Beispiel sind aus "lebendem Metall". Wer viel Science Fiction gelesen hat, weiss, dass damit wohl "Aktive Materie" gemeint ist. Die Kreela, die diese Schwerter herstellen, tun das rein mental ohne Zuhilfenahme von Werkzeugen. Praktisch alles bei den Kreela wird auf diese oder eine ähnliche Weise hergestellt. Es erscheint den Menschen wie Magie und den Kreela als eine jahrtausendealte Selbstverständlichkeit.

In der zweiten Trilogie ist der Mensch Reza Gard die Hauptfigur, der als kleiner Junge von den Kreela entführt und als Kreela aufgezogen wird. Im Grunde ein Klassiker, man kennt das Muster: weisser Junge wird bei Indianern aufgezogen und wird zum Indianer etc. Aber Hicks hat das ausgezeichnet umgesetzt, insbesondere die graduelle Veränderung in Rezas Wesen und Weltanschauung, die Verschiebung seiner Gefühle gegenüber einer Priesterin von Hass zu absoluter Liebe und Ergebenheit. Gerade in dieser zweiten Trilogie sind mir oft die Tränen gekommen. Das geht wirklich ans Herz. Und tatsächlich ist "Die Erlösung" eigentlich eine Liebesgeschichte, die in den Krieg Menschen gegen Kreela eingebettet ist.

Die letzte Trilogie "Die erste Kaiserin" handelt schliesslich nur noch im Kreela-Universum und zwar einhunderttausend Jahre in der Vergangenheit und zeigt, wie die Gesellschaft der Kreela der wir in den vorangehenden Büchern begegnen, entstanden ist. Von dieser Trilogie habe ich bisher nur das erste Buch gelesen und es ist ausgesprochen faszinierend. Und als ich fertig war und feststellen musste, dass die Nachfolgewerke noch nicht fertig sind, hatte ich echte Entzugserscheinungen. Schlimm! Man wird physikalisch süchtig nach der Welt der Kreela.

Wenn die Bücher also eines schönen Tages auf deutsch herauskommen sollten - kann ich jedem nur dringend empfehlen, sie zu lesen. Wirklich gelungen. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich ein Hicks-Fan geworden bin.

17 August 2012 | #literatur

 

Emacs im Browser?

Ich bin bekennender Emacsuser. Emacs, wer das nicht weiss, ist ein Betriebssystem. Und zwar das beste von allen. Man kann alles damit machen. Einfach alles. Wobei ich ihn am Ende doch "nur" zum Editieren verwende :)

Und hier kommt Ymacs. Das soll ein Emacs sein, der im Browser läuft, clientseitig. Und man könne damit direkt auf irgendwelche cloud-hosted Files zugreifen.

Mir erschliesst sich der Sinn nicht. Das Teil läuft also clientseitig. Genauso wie der Emacs auch. Man kann damit auf remote-Dateien zugreifen. Genauso wie mit dem Emacs auch. Man kann damit eine der ca 1 Millionen Erweiterungen laden. Genausso wie beim ... halt. Nee. Kann man nicht. Ymacs ist ja in Javascript geschrieben und nicht in Lisp.

Ich fasse also zusammen: dieses Teil kann nichts, was Emacs nicht auch könnte. Und es ist komplett inkompatibel zu Emacs. Ich könnte ihn zum Beispiel nicht dazu bringen, meine .emacs Datei zu laden. Schlicht und ergreifend hat dieses Dingens nichts mit Emacs zu tun. Es ist einfach nur ein weiterer Javascript-Online-Editor, diesmal einer, der halt das Look&Feel von Emacs emuliert. Und auch das nur in einer Einstellung. Denn tatsächlich sieht so ein Emacs natürlich bei jedem anders aus (das macht die erwähnte Datei .emacs).

Ich gebe zu, fasziniert zu sein, was manche Leute mit Krüppelsprachen wie Javascript auf die Beine stellen können. Ich finde es aber recht schade, dass die ihr Talent für solchen Unfug vergeuden.

Wer braucht sowas?

17 August 2012 | #emacs

 

Earth from space illuminated

Wirklich faszinierend.

(via)

17 August 2012 | #space