In Her Name - In Ihrem Namen

Die Serie "In Her Name" gibt es noch nicht auf deutsch, aber wenn es mal eine Übersetzung dafür geben wird, dachte ich mir, schreibe ich hier mal einen deutschen Review der Serie, für den Fall der Fälle sozusagen. Bei dieser Serie handelt es sich um drei Trilogien, die in der folgenden Reihenfolge gelesen werden müssen (Originaltitel):

  1. The Last War: First Contact
  2. The Last War: Legend Of The Sword
  3. The Last War: Dead Soul
  4. Redemtion: Empire
  5. Redemtion: Confederation
  6. Redemtion: Final Battle
  7. The First Empress: From Chaos Born
  8. The First Empress: Forged In Flame (2013)
  9. The First Empress: Mistress Of The Ages (2013)

Ich habe zum jetzigen Zeitpunkt natürlich keine Ahnung, wie die deutschen Bücher einmal betitelt werden, sofern es überhaupt je dazu kommt (was ich nur hoffen kann!). Aber falls die Titel 1:1 übernommen werden, müssten sie so heissen:

  1. Der Letzte Krieg: Erster Kontakt
  2. Der Letzte Krieg: Legende des Schwertes
  3. Der Letzte Krieg: Tote Seele
  4. Die Erlösung: Imperium
  5. Die Erlösung: Konföderation
  6. Die Erlösung: Finale Schlacht
  7. Die erste Kaiserin: Aus dem Chaos geboren
  8. Die erste Kaiserin: In Flammen Geschmiedet
  9. Die erste Kaiserin: Die Gebieterin der Zeitalter

Ich habe die Bücher 1-7 auf englisch gelesen, 8 und 9 werden erst nächstes Jahr (2013) herauskommen.

Die "In Ihrem Namen" Serie ist militärischer Science Fiction, vermengt mit Mystery und Fantasy, allerdings auf eine wirklich gelungende Weise, unten mehr dazu. Zur Handlung nur kurz, da ich ungern allzu viel verraten möchte:

Die Menschen treffen durch Zufall in einem fremden Sonnensystem auf eine unbekannte Rasse, die sich als überaus agressiv erweist. Die fremde Spezies - die Kreela - stürzen die komplette Menschheit, die schon einige hundert Planeten kolonisiert hat, in einen brutalen und blutrünstigen Krieg, der aus der Sicht der Menschen völlig sinnlos zu sein scheint. Die Kreela sind nicht auf Eroberung aus und auch nicht auf das Siegen an sich in einem Kampf. Die Kreela führen den Krieg und des Kämpfens willen. Und zwar - und hier wird es spannend - im Mann-zu-Mann-Kampf mit Schwert, Messer oder nur mit Fäusten.

In der ersten Trilogie "Der Letzte Krieg" ist Ichoru Sato die Hauptfigur, dessen Entwicklung wir über einen recht langen Zeitraum verfolgen können. Grundsätzlich sind die Charaktere, die Hicks entwirft, sehr detailiert gezeichnet und was mir gefallen hat, die meisten der Charaktere sind typisch menschlich ambivalent, sie haben gute und schlechte Seiten, innere Konflikte, Gewissensbisse oder Skrupel (oder auch keine, je nachdem). Allerdings gilt das gleiche für die Kreela-Charaktere, die ebenfalls sehr facettenreich gestaltet sind. Und Hicks bekommt es hin, die Aliencharaktere - obwohl von der Denkweise, Ideologie und Wertvorstellungen völlig anders als Menschen - ebenso ausführlich und mit Liebe zum Detail zu beschreiben. In einem Amazonreview schrieb mal ein User, das faszinierendste an der Serie ist der Umstand, dass man als Leser quasi gezwungen wird, die Bösen (das heisst, die Kreela) zu mögen und die meisten Charaktere der Guten (Menschen) nicht leiden zu können. Und das, obwohl die Kreela blutrünstige Massenmörder sind, denen ein oder tausend Leben hin oder her nichts bedeuten (ihr eigenes mit eingeschlossen übrigens). Und das kann ich bestätigen.

Die Kreela sind überhaupt eine sehr interessante Sache. Ich habe schon viele Science Fictions gelesen und in vielen kamen Aliens in allen möglichen Sorten vor. Unterm Strich finde ich aber die Kreela die bisher am umfassendsten beschriebene Alienrasse, von der ich je gelesen habe. Michael R. Hicks entwirft nicht nur ein Universum, in dem es die Kreela gibt. Er entwirft auch die Geschichte der Kreela, ihre Gesellschaftsform (die ziemlich komplex ist), deren Moralvorstellungen (die wirklich "alien" sind, dazu unten mehr), Beziehnungen zwischen Mitgliedern der Spezies, Umgangsformen, Technologie, Alltag, Rituale, Sitten, Rechtsprechung und vieles mehr. Und er bekommt das so gut hin, dass man sich dorthin gebeamt fühlt.

Das interessanteste an den Kreela ist wohl ihre Moral, in der es vor allen Dingen um Ehre geht. Ehrenvoll zu sterben ist das Grösste für einen Kreela. Und nichts respektieren die Kreela mehr, als einen würdigen Gegner, der sich zu wehren weiss und ihnen einen "guten Kampf" liefert. Je mehr Kreela der Gegener getötet hat, umso mehr steigt er in ihrem Ansehen. Das geht soweit, dass die Kreela auch mal eine Schlacht Schlacht sein lassen und nach einem finalen Zweikampf abzuziehen und ihre verbleibenden Gegner zu verschonen. Das ist recht schwierig in Worte zu fassen, man muss es erleben (d.h. lesen *g*).

Obwohl uns die Kreela auf den ersten Blick wie eine Wikingerkultur aus dem Jahre 700 vorkommen, ist deren Zivilisation sehr alt. Und zwar so alt, dass ihre Technologie ein Niveau erreicht hat, dass sie nicht mehr nach Technologie aussieht. Ihre Schwerter zum Beispiel sind aus "lebendem Metall". Wer viel Science Fiction gelesen hat, weiss, dass damit wohl "Aktive Materie" gemeint ist. Die Kreela, die diese Schwerter herstellen, tun das rein mental ohne Zuhilfenahme von Werkzeugen. Praktisch alles bei den Kreela wird auf diese oder eine ähnliche Weise hergestellt. Es erscheint den Menschen wie Magie und den Kreela als eine jahrtausendealte Selbstverständlichkeit.

In der zweiten Trilogie ist der Mensch Reza Gard die Hauptfigur, der als kleiner Junge von den Kreela entführt und als Kreela aufgezogen wird. Im Grunde ein Klassiker, man kennt das Muster: weisser Junge wird bei Indianern aufgezogen und wird zum Indianer etc. Aber Hicks hat das ausgezeichnet umgesetzt, insbesondere die graduelle Veränderung in Rezas Wesen und Weltanschauung, die Verschiebung seiner Gefühle gegenüber einer Priesterin von Hass zu absoluter Liebe und Ergebenheit. Gerade in dieser zweiten Trilogie sind mir oft die Tränen gekommen. Das geht wirklich ans Herz. Und tatsächlich ist "Die Erlösung" eigentlich eine Liebesgeschichte, die in den Krieg Menschen gegen Kreela eingebettet ist.

Die letzte Trilogie "Die erste Kaiserin" handelt schliesslich nur noch im Kreela-Universum und zwar einhunderttausend Jahre in der Vergangenheit und zeigt, wie die Gesellschaft der Kreela der wir in den vorangehenden Büchern begegnen, entstanden ist. Von dieser Trilogie habe ich bisher nur das erste Buch gelesen und es ist ausgesprochen faszinierend. Und als ich fertig war und feststellen musste, dass die Nachfolgewerke noch nicht fertig sind, hatte ich echte Entzugserscheinungen. Schlimm! Man wird physikalisch süchtig nach der Welt der Kreela.

Wenn die Bücher also eines schönen Tages auf deutsch herauskommen sollten - kann ich jedem nur dringend empfehlen, sie zu lesen. Wirklich gelungen. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich ein Hicks-Fan geworden bin.

17 August 2012 | #literatur

 

Emacs im Browser?

Ich bin bekennender Emacsuser. Emacs, wer das nicht weiss, ist ein Betriebssystem. Und zwar das beste von allen. Man kann alles damit machen. Einfach alles. Wobei ich ihn am Ende doch "nur" zum Editieren verwende :)

Und hier kommt Ymacs. Das soll ein Emacs sein, der im Browser läuft, clientseitig. Und man könne damit direkt auf irgendwelche cloud-hosted Files zugreifen.

Mir erschliesst sich der Sinn nicht. Das Teil läuft also clientseitig. Genauso wie der Emacs auch. Man kann damit auf remote-Dateien zugreifen. Genauso wie mit dem Emacs auch. Man kann damit eine der ca 1 Millionen Erweiterungen laden. Genausso wie beim ... halt. Nee. Kann man nicht. Ymacs ist ja in Javascript geschrieben und nicht in Lisp.

Ich fasse also zusammen: dieses Teil kann nichts, was Emacs nicht auch könnte. Und es ist komplett inkompatibel zu Emacs. Ich könnte ihn zum Beispiel nicht dazu bringen, meine .emacs Datei zu laden. Schlicht und ergreifend hat dieses Dingens nichts mit Emacs zu tun. Es ist einfach nur ein weiterer Javascript-Online-Editor, diesmal einer, der halt das Look&Feel von Emacs emuliert. Und auch das nur in einer Einstellung. Denn tatsächlich sieht so ein Emacs natürlich bei jedem anders aus (das macht die erwähnte Datei .emacs).

Ich gebe zu, fasziniert zu sein, was manche Leute mit Krüppelsprachen wie Javascript auf die Beine stellen können. Ich finde es aber recht schade, dass die ihr Talent für solchen Unfug vergeuden.

Wer braucht sowas?

17 August 2012 | #emacs

 

Earth from space illuminated

Wirklich faszinierend.

(via)

17 August 2012 | #space

 

Prometheus - der letzte Science Fiction Film

 

Ich war gestern mit Sohnemann im Kino und habe Prometheus gesehen. Ich bin maßlos enttäuscht und das auf vielen Ebenen. Da weiss ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Sehen wir uns mal die Handlung an, die in kurzen Sätzen erzählt ist: Archäologen finden auf diversen Schrifttafeln und Höhlenzeichnungen Hinweise auf eine Sternenkonstellation, das sie dahingehend deuten, dass dort unsere Schöpfer seien. Der Weylandkonzern rüstet eine Mission aus und man fliegt hin, findet ein Raumschiff einer anderen Spezies (unserer Schöpfer), die wohl vorhatten, die Menschheit wieder zu vernichten plus hier und da eingestreute Aliens (die aber nur eine Nebenrolle spielen). Unsere Vernichtung wurde verhindert, eine Archäologin ist mit einem dieser fremden Schiffe abgehauen um die Schöpfer zu suchen und die anderen sind gestorben. Fertig.

Dieser Plot ist hanebüchen, dünn, substanzlos und unkreativ, was nicht verwundert, schaut man sich an, von wem er geschrieben wurde: Damon Lindelof. Ein Drehbuchautor für Serien, der noch nie irgend etwas mit Science Fiction zu tun hatte. Warum sich Ridley Scot ausgerechnet so jemanden dafür ausgesucht hat, ist ein Rätsel. Wie dem auch sei - nehmen wir den Film mal Stück für Stück auseinander:

- Technik

Dieser Film war der zweite 3D Film, den ich je besucht habe. Den ersten habe ich Mitte der 80er in der DDR gesehen, das war ein sowjetischer Naturfilm gewesen. Man hatte da noch diese Brillen, wo eine Seite rot und die andere grün war. Dieses Erlebnis damals hat mich so beeindruckt, dass ich mich heute noch lebhaft daran erinnern kann. Mir ist ein Schmetterling vor der Nase herumgeflogen. Einen solchen Eindruck hatte ich bei Prometheus 3D nicht. Das Geschehen spielte sich vorne auf der Leinwand ab. Ja es war dreidimensional, aber nur ein bischen. Dinge im Vordergrund erschienen näher, aber der Hintergrund war flach, es gab keine Tiefe, keine Weite. Gerade bei Landschaftsaufnahmen hat sich die Grösse nicht erschlossen. Da hatte man bei Herr der Ringe in 2D Besseres gesehen. Alles in Allem ist auch bei diesem Film das "3D" Feature nur ein Gimmick, das wohl über die Mängel des Films hinwegzutäuschen versucht.

Die Spezialeffekte an sich waren ok, also Raumschiffe, die Landung oder der Flug durch die Atmosphäre sahen wirklich cool aus. Auch die ganzen Details wie die Brücke oder die Technik an Bord des fremden Schiffes sahen fantastisch aus.

- Handlung

Üblicherweise sollte ja die Handlung eines Filmes das tragende Element sein und Spezialeffekte dieses nur unterstützen. In Prometheus ist die Handlung aber ein Witz und die Effekte unterstreichen den Witz noch, bzw führen das ganze ad absurdum. Da haben wir also diese Archäologen, die die erwähnten Hinweise verschiedener Zivilisationen auf eine identische Sternenkonstellation finden. Das ist alles, was sie haben. Aber aufgrund dieser Indizien behaupten sie, dass dort unsere Schöpfer zu finden seien - die "Konstrukteure", wie sie sie nennen. Da ist wohl Damon Lindehof beim Googeln einmal zu oft über irgendwelche obskuren Dänikenseiten gestolpert. Und ich nehme mal an, der Mann hat in seinem Leben noch nie einen Science Fiction gelesen, geschweige denndass er eine Ahnung von Wissenschaft hat.

Ganz abgedreht wird es, als die beiden Archäologen der Crew ihre "Theorie" vorstellen, wegen der sie unterwegs sind. Was sie tun, nachdem sie bereits vor Ort angekommen sind. Sehr realistisch. Welcher normale Mensch besteigt denn ein Raumschiff, ohne zu wissen weswegen? Aber ich schweife ab. Einer der Anwesenden (ein Biologe) wendet dann belustigt ein, wie sich das denn mit "300 Jahre Darwinismus" vertrage (schon bei diesem Begriff zeigt sich die Denke der Macher, die die Evoltuionstheorie als einen *Ism betrachten und nicht als ernstzunehmende Wissenschaft). Die Antwort der Archäologin: sie glaube daran. An der Stelle ist die Diskussion im Film beendet. Was für eine Katastrophe. Jeder halbwegs gebildete Mensch sollte doch eigentlich wissen, dass man in der Wissenschaft mit Beweisen und Fakten arbeitet und nicht glaubt. Anscheinend ist Ridley Scot unter die Kreationisten gegangen, das würde das erklären. Denn wenn man mit Kreationisten streitet (diskutieren kann man mit denen nicht), behaupten die auch immer, man würde an die Wissenschaft oder an die Evolution "glauben". Dabei bedeutet Glauben Nicht-Wissen. Im Sinne von Nicht-Wissenschaft. Junge Menschen, die diesen Film sehen, werden mit solchen subtilen Sequenzen indoktriniert, die Wissenschaft für Unsinn zu halten und den Glauben (woran auch immer) für wichtiger. Allein für diese eine Sequenz verdient der Film bereits die volle Punktzahl: 10 aus der Minuskiste.

Aber mal von diesem Däniken-Kreationisten-Gebräu abgesehen: wie kommt man darauf, dass ein Sternzeichen, das verschiedene unserer Vorfahren an die Wände gemalt haben, auf unsere Schöpfer hinweist? Wo ist da der Zusammenhang? Das ergibt nicht nur keinen Sinn, es ist einfach nur dämliche Scheisse.

Es kommt aber noch besser. Wie gesagt, finden sie auf dem Mond ein Raumschiff dieser "Konstrukteure" und darin die Überreste eines dieser Wesen. Sie nehmen eine Probe und stellen fest, dass die DNA identisch mit der unseren ist. Und dann freuen sich die beiden Wissenschaftler und proklamieren, ihre Theorie sei bewiesen, sie haben unsere Schöpfer gefunden. Aha. Einmal mehr haben die Fakten mit der Interpretation der Protagonisten nichts zu tun. Wenn man im Weltraum ausserhalb unseres Sonnensystems die Leiche eines Wesens findet, dessen DNA mit unserer übereinstimmt, dann heisst das nur, dass wir und dieses Wesen gemeinsame Vorfahren haben. Nicht mehr und nicht weniger. Wie um alles in der Welt kann man aufgrund dessen die Behauptung aufstellen, das diese Übereinstimmung beweist, dass das Wesen uns erschaffen hat?! Mir ist das unbegreiflich.

Dann haben wir den unvermeidlichen Androiden, der während des Hinflugs vorsorglich alle möglichen antiken Sprachen und Schriften lernen musste, während die Crew in Stasiskammern war. Wie praktisch, fallen einem die Schuppen von den Augen, als man sieht, wie der Androide dann anhand dieser Kenntnisse völlig unbefangen die Steuerconsole des Schiffes der "Konstrukteure" bedient. Es ist der Androide, der einem Behälter der in einer Kammer mit einem Steinkopf (dessen Bedeutung übrigens nie erklärt wird) eine Flüssigkeit entnimmt. Es scheint die gleiche Flüssigkeit zu sein, die am Anfang des Films einer der "Konstrukteure" zu sich nimmt und an der er dann stirbt (er löst sich auf). Woher der Androide weiss, was für ein Zeug das ist? Man weiss es nicht. Warum entnimmt er es heimlich? Man weiss es nicht. Warum verabreicht er es an den einen Archäologen? Man weiss es nicht. Der Archäologe wird davon dann krank und damit das Schiff nicht kontaminiert wird, wird er mit einem Flammenwerfer ohne lange zu fackeln (sic) platt gemacht. Es gibt ein bischen Geschrei, aber ansonsten scheint das die Standardmethode zu sein, mit solchen Problemen umzugehen. Die Szene dauert höchstens zwei Minuten und hat nichts menschliches an sich.

Später stellt sich heraus, dass der alte Weyland gar nicht tot, sondern an Bord ist. Da sehen wir einen jungen Mann, den man verzweifelt auf alt getrimmt hat. Er versucht krampfhaft gebeugt zu gehen und auf alt zu machen aber man sieht glasklar, dass es sich um einen Schauspieler in den besten Jahren handelt. Das Gesicht ist fleckenübersät, die Haare sind kaum noch vorhanden, aber es gibt wenig Falten, keine schlaffe Haut, keine hängenden Augenlieder, keine herunterhängenden Schultern, keine trüben Augen. Und das alles ohne Not. Warum hat Scot für die Rolle nicht einfach einen echten alten Mann genommen? Völlig unverständlich. Vor allem im Hinblick auf die sonstigen Spezialeffekte ist der alte Weyland ein mehr als peinlicher Patzer. Jedenfalls wird der Alte aufgeweckt. In der Szene sieht man auf einmal weitere Crewmitglieder, Leibwächter oder Wachen oder was auch immer die darstellen sollen. Die waren vorher nie zu sehen. Man muss sich das wie bei Startrek vorstellen, wo allenthalben irgendwelche Nonames durchs Bild gelaufen sind. Nur bei Startrek war bekannt, dass da mehrere hundert Leute an Bord sind. Die Prometheus jedoch (das Raumschiff der Menschen heisst Prometheus) ist ein ziemlich kleines Schiff. Dass da noch mehr Leute an Bord sind, als man am Anfang dachte, ist sonderbar. Und die treten auch später nicht mehr in Erscheinung.

Der Alte tapert nachher in das Schiff der "Konstrukteure", wo man einen von den "Konstrukteuren" gefunden hat, der noch lebt. Selbstverständlich weiss der Android wie man den aufweckt, was sie dann auch ohne Zwischenfälle tun. Der Konstrukteur erwacht und erhebt sich. Wir erinnern uns, dass die DNA von dem Typ mit der unseren übereinstimmt. Trotzdem ist er zwei Köpfe grösser und hat am Hals so etwas wie Kiemen. Die Menschen labern ihn voll, der Androide bequatscht ihn mit irgendeiner unbekannten Sprache und der Ausserirdische fängt auf einmal an, um sich zu schlagen. Es kommt zum Handgemenge, der Androide geht kaputt, der Alte geht zu Boden, die anderen flüchten. Dann nimmt der Ausserirdische sein Schiff in Betrieb. Selbstverständlich weiss die überlebende Archäologin, dass er vorhat, zur Erde zu fliegen um die Menschheit zu vernichten (mit der erwähnten Flüssigkeit, die den Körper auflöst, mit der ein Lagerraum des Schiffes randvoll gefüllt ist). Die verbleibende Crew an Bord der Prometheus steuert das menschliche Schiff in einem Kamikazemanöver in das fremde Schiff, welches dann abstürzt.

Da hat doch jemand zu viel Grass geraucht! Warum greift der "Konstrukteur" die Menschen und den Androiden an? Und was hat der Androide überhaupt zu ihm gesagt (da waren keine Untertitel dabei)? Und woher wussten die überhaupt, dass die Flüssigkeit etwas schlimmes ist? Immerhin hatte der Androide dem anderen Archäologen etwas davon heimlich verabreicht. Keiner wusste davon und keiner hat ihn nachher untersucht. Auch nicht, nachdem er - auferstanden von den Toten wie ein Zombie (ja sogar Zombieelemente hat der Film, man muss ich das mal vorstellen!) - nochmal verbrannt worden ist. Der Androide hat auch niemandem davon erzählt. Aber allen war klar, die Flüssigkeit in den Behältern ist was schlimmes, gedacht, die Menschheit zu vernichten. Eine weitere dieser Schlussfolgerungen, die ohne jede Faktenlage getroffen wurde. Einfach so, weil es der Drehbuchautor so hingeschrieben hat.

- Widersprüche zu Alien I

Prometheus soll ja ein Prequel zu Alien I sein. Da sind sie bei mir ja richtig, immerhin habe ich Alien I mindestens zwanzig mal gesehen und ich liebe die Alienfilme. Die waren legendär und nichts hat sie bisher übertrumpft. Ein Meisterwerk.

Am Ende des Films stürzt das Schiff der Konstrukteure ab und landet nachher genausso, wie es da lag, wie sie in Alien I das fremde Schiff gefunden haben. Allerdings erinnern wir uns, dass dieses fremde Schiff in Alien I eigentlich dort tausende oder gar millionen Jahre lang so rumgelegen ist, so viel Staub hatte sich da angesammelt. Trotzdem will uns dieser Film weismachen, Menschen hätten das Schiff zum Absturz gebracht wo es später andere Menschen gefunden hätten - aber sicher keine tausenden Jahre danach.

In Alien I haben sie einen toten Ausserirdischen gefunden. Er saß in einem Sessel und über sich so etwas wie ein Fernrohr. In Prometheus hat man diesen Raum recht gut nachgebildet, es ist klar, dass es derselbe Raum sein soll. Nur, dass der einzige lebende "Konstrukteur" nach dem Absturz sein Schiff verlassen hat, um die überlebende Archäologin zu verfolgen. Und der ist dann ab Bord einer Notfallkapsel von einem Alien getötet worden. An Bord seines Schiffes auf dessen Brücke war also keiner dieser "Konstrukteure". Obwohl man in Alien I dort einen gefunden hat. Dass Lindelof den Film Alien I nicht gesehen hat, wundert mich nicht. Aber dass Scot über solche Details nicht gestolpert ist - kann ich mir nicht erklären. Aber kommt noch besser.

Aus Alien I wissen wir, dass die Struktur, die wie Knochen aussah, tatächlich Knochen war. In der Mitte von innen aufgebrochen wie wir wissen, von einem geschlüpften Alien, verursacht. In Prometheus jedoch wurde aus den Knochen eine Art Anzug gemacht, der schöne, gruselige ausserirdische Schädel, den wir aus Alien I kennen, wurde zum Helm gemacht. Und darunter kommt ein Wesen zum Vorschein, dass uns Menschen recht ähnlich sieht, bis auf die Kiemendinger am Hals. Stimmt das mit Alien I überein? Nein, kein bischen.

Faszinierend war in Prometheus die Technik, vor allem an Bord des irdischen Raumschiffes. Coole holografische Displays und allerlei leuchtende 3D Gimmicks. Der Film soll aber ein Prequel sein. Und in Alien I haben sie normale Monitore auf der Brücke gehabt. Der aber später handeln soll, als Prometheus, die jedoch wesentlich fortschrittlicher ausgerüstet ist, als die Nostromo es war. Wir kennen das vom neuen Startrekfilm, der auch ein Prequel war und trotzdem moderner ausgestattet war, als alle Startrekfilme davor. Aber Startrek ist Startrek. Das ist kein Science Fiction, der Anspruch auf Realismus hat. Aber Alien war gerade wegen seines Realismus so erfolgreich. Wahrscheinlich haben sie sich gedacht, hey die Handlung ist es so dünn, lasst uns wenigstens das Raumschiff cool gestalten. Cool sah es aus, ohne Zweifel. Aber für ein Raumschiff, das älter als die Nostromo sein soll, absolut inakzeptabel. Oh - und es gab doch tatsächlich einen Holotisch. Ja, den kennen wir aus Avatar. Genau so einen. Identisch. Sogar die darüber schwebenden Statusanzeigen mit irgendwelchen Zahlen waren mit dabei. Wenn die in Alien I sowas gehabt hätten... ach nee, das fand ja danach statt, da gab es sowas noch nicht, äh nicht mehr, äh ... Grundgütiger!

Und die Aliens. In Alien I waren die gruselig und schrecklich. Neben Ripley hatten sie die Hauptrolle, ein tragendes Element. In Prometheus war die Rolle der Aliens unbedeutend und undurchschaubar. Da gab es solche Würmer, aus denen später so eine Art Schlangen wurden. In zwei Fällen haben sie Menschen angegriffen (durch den Hals, wie man es kennt). Aber die hatten keine Greifarme, wie wir das aus allen Alienfilmen kennen, sondern eher Tentakel. Wieso diese Änderung? Unbegreiflich. Und anscheinend sind die anfänglichen Würmer aus dieser Flüssigkeit enstanden, die an Bord des Schiffes der "Konstrukteure" in diesen konisch geformten Behältern eingelagert waren. Warum? Das wird nicht erklärt. Und der erwähnte gegrillte Archäologe hatte Sex mit der überlebenden Archäologin, die wiederum dann schwanger war. Mit einem Alien. Das ist etwas völlig neues. Warum jetzt das? Und während es keinem einzigen Befallenen in allen Alien und Alien vs. Predator Filmen je gelungen ist, den Parasiten, der in ihnen wächst, loszuwerden - der Archäologin ist es gelungen, denn sie hat ihn sich selbst in einem automatischen Operationstisch per Kaiserschnitt entfernt. Wie soll das zusammenpassen? Warum so viele Abweichungen? Ich bin erschüttert.

Mir hat sich auch der Zusammenhang zwischen der Flüssigkeit und den Aliens nicht so recht erschlossen. Ich dachte, die Flüssigkeit, sei das Zeug, das einen Körper auflöst. Das hat man nämlich gesehen, als sich der Körper des Archäologen so zersetzte. Er hat so schwarze Flecken bekommen, Verformungen und so weiter. Und die waren identisch zu den Symtomen des "Konstrukteurs" in der Anfangssequenz des Films, der mit dem Zeug aus unerklärlichen Gründen Selbstmord begangen hatte. Im Auge des Infizierten hat man auch einmal so ein kleines Würmchen gesehen. Ist das aus dieser Flüssigkeit entstanden? Und wurde dann beim Sex auf die andere Archäologin übertragen? Absolut unklar alles. Auf jeden Fall bietet der Film nicht den Hauch einer Erklärung, woher die Aliens aus Alien I gekommen sind oder was diese "Konstrukteuere" mit denen zu tun hatten.

Es wird zum Beispiel auch nicht gezeigt, warum die Schiffe der "Konstrukteure" überhaupt auf diesem Mond geparkt sind. An Bord des Schiffes, dass die "Forscher" untersuchen, finden sie diverse Leichen der "Konstrukteure" und ihnen wird einmal eine Re-Animation gezeigt, wie die Fremden durch ihr Schiff laufen, als ob sie verfolgt würden. Von Aliens wahrscheinlich. Ich als alter Alienfreak weiss das. Mein Stiefsohn wusste es nicht. Er hat das überhaupt nicht verstanden. Und zwar nicht weil er begriffstutzig ist, sondern weil es der Film nicht schafft, auch nur die simpelsten Zusammenhänge logisch und nachvollziehbar zu erklären.

Wenn die "Konstrukteure" diese Flüssigkeit, aus der anscheinend die Aliens entstehen können UND die einen Körper auflösen kann (genau weiss ich es nicht), erschaffen haben, warum hatten sie dann nicht das Knowhow um damit zurechtzukommen und nicht selbst Opfer davon zu werden? Macht das irgendeinen Sinn? Und wenn sie es nicht erschaffen haben, warum haben die dann das ganze Schiff voller Behälter die das Zeug enthalten? Und warum lag in der Kommandozentrale ein "Konstrukteur" in einer Stasiskammer, lebendig, während seine Kollegen draussen vor der Tür längst versteinert waren? Wieso ist er in die Stasis gegangen? Oder wieso wurde er nicht geweckt, als seine Leute draussen starben? Warum ist er nicht wie anscheinend geplant, gestartet und zur Erde geflogen, um den Plan trotzdem umzusetzen?

Diese Story hat sich ein Vollidiot ausgedacht.

- Cast

Die schauspielerischen Leistungen waren insgesamt unterirdisch. Einzig Michael Fassbender als Androide war überzeugend und gut gespielt. Alle anderen waren schlecht. Selbst Noomi Rapace, die ich als sehr gute Schauspielerin aus der Millenium-Trilogie in Erinnerung habe, war blass und unauthentisch. Charlize Theron war wohl überhaupt nur dabei, damit Scot mit einem Star glänzen konnte. Geleistet hat sie in dem Film nichts. Und den alten Mann erwähnte ich ja schon, wer auch immer den gespielt haben mag, es ist mir auch egal.

Wobei man entschuldigend einwerfen muss, dass die Story so schlecht ist, dass man den Schauspielern eigentlich keinen Vorwurf machen kann. Man kann eben nicht aus Scheisse Bonbons kochen.

- Fazit

Der Film ist eine Enttäuschung. Wie sehr hatte ich mich darauf gefreut und dann so was. Gäbe es nicht die teuren Spezialeffekte, würde ich den Film unter B-Movie einordnen. Er hat mit Alien nichts zu tun. Die Handlung ist sprunghaft, zerhackstückelt, zusammenhang- und sinnlos. Es gibt haufenweise logische Fehler, ausgemachte Dummheiten, gar infame Lügen, kreationistische Propaganda und Amateur-"Archäologie" die sogar unter Dänikens Niveau ist. Der Film nimmt sich keine Zeit, etwas zu erklären, zu erzählen. Man hat das Gefühl, der Drehbuchautor hat aus allen möglichen dubiosen esotherischen Quellen hier und da was herausgepickt und das dann krampfhaft zusammengepappt, lieblos und ahnungslos, ja inkompetent. Die Charaktere werden nicht eingeführt, sie sind farblos, austauschbar, uninteressant, redundant.

Auf dem Cover des Films ist ein Steinkopf zu sehen, der auch im Film auftaucht. Er befindet sich an Bord des Schiffes der "Konstrukteure". Der Kopf hat keine Bedeutung in dem Film. Auch die Referenz zum antiken Prometheus ist unerklärlich, abgesehen davon, dass das Schiff so heisst. Warum dieser Steinkopf das Titelbild des Films ist, macht keinen Sinn. Er hat nichts mit der Handlung zu tun, taucht nur einmal kurz auf und ist bedeutungslos. Anscheinend soll seine Verwendung auf dem Cover die grundsätzliche Bedeutungslosigkeit (oder Ahnungslosgkeit) des gesamten Films unterstreichen. Insofern ist das Cover als gelungen zu bezeichnen.

Scot redet sich heraus (man kann das bei Wikipedia nachlesen), dass der Film noch zu viele Fragen unbeantwortet lässt und er eventuell noch einen Sequel nachliefern muss. Ich glaube, der Mann leidet unter kognitiver Dissonanz. Der Film lässt nicht einfach Fragen unbeantwortet (was an sich ja nichts schlimmes sein muss, Alien I lässt eine Menge Fragen unbeantwortet und ist trotzdem ein Meisterwerk!), sondern macht sich erst gar nicht die Mühe, die richtigen Fragen zu stellen. Und logische Widersprüche, durch Unwissenheit oder Desinteresse verurachte Fehler und ideologisch verbrämte Lügen sind keine "offenen Fragen", die ein weiterer Film zu beantworten hätte.

Es ist traurig. Und ich frage mich, was aus Ridley Scot nur geworden ist. Welcher Gehirnwäsche er sich wohl unterzogen hat. Warum ein solcher Meister so einen schlimmschlechten Film fabriziert hat. Dieser Film ist das dramatische Ende von Ridley Scot. Und wenn man sich die Science Fiction Filme der letzten Zeit ansieht, scheint das ein allgemeiner Trend zu sein. Im Grunde ist Science Fiction im Kino erledigt. Wenn überhaupt, dann hat dieser Film den Genre den Todesstoss versetzt.

Update 2014-04-22:

Wah, noch mehr Unsinn:


Und da ist eine Menge haarsträubender Quark dabei, den ich noch gar nicht auf dem Radar hatte!<p>Update 2013-05-02:</p>Wie sich herausstellt, beinhaltet der Film noch mehr Fehler! Und zwar ist die ganze Herangehensweise der Archäologen den Tempel zu untersuchen, komplett unrealistisch und falsch.

12 August 2012 | #kino

 

Was Herr Leemhuis nicht über X11 Fenstermanager weiss

Heute hat Thorsten Leemhuis bei Heise einen Artikel darüber veröffentlicht, dass angeblich die Gefahr drohe, dass der [Linux-]Desktop zersplittere. Und zwar weil jemand den Gnomedesktop geforkt und Ubuntu Unity eingeführt hat.

Fangen wir mal beim grundsätzlichen an, Herr Leemhuis schreibt:

Statt zwei sind es daher nun sechs Desktops, die hoch in der Gunst der Anwender stehen. Diese Konkurrenz wird sicher das ein oder andere nützliche Bedienkonzept entstehen lassen; aber das wird die Nachteile, die der Wettbewerb und die Zersplitterung mit sich bringen, nicht aufwiegen können. [Hervorhebung von mir]

Es ist hier die Rede von Opensource Software. Die mag im "Wettbewerb der Beliebtheit" stehen, mehr aber auch nicht. Eine "Konkurrenz" gibt es in dem Bereich nicht. Es gibt keinen "Desktop Hersteller" im eigentlichen Sinne, auch wenn zum Beispiel die meisten Entwickler von Gnome bei Redhat angestellt sein mögen. Dieses Marketinggeschwätz passt überhaupt nicht zum Gedanken, der hinter Linux im speziellen und Opensource im Allgemeinen steht. Oder weniger nett formuliert: Hätte Herr Leemhuis hier die ganzen Bullshitbingobegriffe weggelassen, wäre der Artikel nur noch halb so voll gewesen - allerdings auch von jedem weiteren Sinn befreit. Denn wenn man sich vor Augen hält, dass es diese herbeifabulierte Konkurrenz gar nicht gibt, dann wird einem schnell klar, dass keine Gefahr droht, wenn es plötzlich mehr Desktops gibt als vorher. Insofern hätte sich der Artikel bereits an Substanzlosigkeit in Luft aufgelöst.

Der Denkfehler (oder soll ich es eklatante Wissenslücke nennen?) ist jedoch, dass genau dieses forken und weiterentwickeln der eigentliche evolutionäre Motor der gesamten Opensourcebewegung ist. Wieviele coole Dinge nutzen wir heute, die als Forks angefangen haben? FreeBSD, Firefox oder Android - um nur ein paar zu nennen. Und es war schon immer so, dass es mehr Forks gibt, als Überlebende. Nur ein paar geforkte Projekte entwickeln sich wirklich signifikant weiter und überholen das Elternprojekt oder lösen es sogar später ab. Auf dem Weg dahin gibt es immer reichlich Tote (Projekte). Das ist wie bei der natürlichen Evolution. Wir Menschen sind auch nur Forks. Und wir sind der einzige überlebende Fork, nicht der einzige den es je gab. Auf dem Weg vom kleinen Säuger bis zu uns Homo Sapiens sind zig tausende Arten ausgestorben. Nicht anders ist das bei Opensource.

Das ist völlig normal. Und weil das so ist, gibt es immer von allem mehrere. Es gibt mehrere Terminalprogramme, mehrere Mailprogramme, mehrere Shells, mehrere Interpreter, mehrere Compiler, mehrere Grafikprogramme, mehrere Taschenrechner und natürlich auch mehrere Fenstermanager. Und das ist verdammt gut so.

Und da wären wir beim eigentlichen Verständnisproblem: tatsächlich gibt es gar keinen "Desktop" unter Linux. Die grafische Oberfläche unter Linux (und übrigens auch FreeBSD, OpenBSD oder OpenSolaris) ist X11. Das stellt Protokolle für die Client-Server-Kommunikation zwischen grafischen Komponenten zur Verfügung. Darauf setzt der Fenstermanager auf. Es gibt mehrere Dutzend Fenstermanager. Wobei da nur die aktiv entwickelten gezählt sind. Einschliesslich aller Existierender sind es Hunderte!

Und auf dem Fenstermanager kann ein Sessionmanager aufsetzen. Gnome oder KDE sind solche Sessionmanager. Tatsächlich ist der Fenstermanager, den KDE verwendet KWin. Den kann man sogar ohne das KDE-Gedöhns benutzen. Plünnkram wie eine Taskbar, Startmenü oder Drag&Drop bietet der Sessionmanager an.

Grundsätzlich kann jeder Anwender den Fenstermanager (oder Sessionmanager) verwenden, den er will, und zwar völlig unabhängig davon, welche Linuxdistribution er einsetzt oder was dort der Default sein mag. Meinetwegen kann Ubuntu vorgeben, was es mag. Wenn ich nicht mit Unity arbeiten möchte, lösche ich es und installiere was anderes. Und wenn es Ratposon ist. Und nein, man muss dazu nicht mal ein erfahrener Anwender sein, die Ubuntu Bordmittel, namentlich das Paketsystem, erlauben so etwas.

Aber zurück zu Herrn Leemhuis. Er macht sich Sorgen über "Linux auf dem Desktop":

Wenn ich noch an den von vielen gehegten Wunschtraum "Linux auf dem Desktop" glauben würde, dann würde ich sagen, der rückt damit wieder etwas weiter in die Ferne

Ich frage mich, wen er mit "den vielen, die den Wunschtraum hegen" meint. Oder wieviele. Wahrscheinlich ein paar Marketingleute, so wie er einer zu sein scheint, die meinen sich mit Linux beschäftigen zu müssen. Und das Wort "Wunschtraum" ist dann auch gleich die Negation davon, denn ein Wunschtraum ist ein unerfüllbarer Traum.

In der Realität jedoch hat Linux und Opensource den Planeten nachhaltig erobert. Es hat nachweisbar und messbar die Welt signifikant verändert. Nehmen wir nur das Mobile-OS Android. Platz 2 nach Apple im Smartphonemarkt. Bald wird es einen Opensource-Sateliten geben. Ich könnte unendlich lange Beispiele aufzählen. Ja es mag sein, dass Linux am Desktop nicht weit verbreitet ist. Aber das liegt sicherlich nicht daran, dass es zu viele Fenstermanager oder Desktopsysteme gibt. Oder dass die, die es gibt schlecht wären (sind sie nicht, mein Stiefsohn arbeitet seit einem Jahr mit KDE und ist nachweislich ein völliger Noob was Rechner angeht - und ist klaglos zufrieden).

Die Ursache ist, dass PC Hersteller ohne Not ihre Systeme mit komerzieller Software vorinstallieren. Und die allermeisten PC-Käufer packen das Teil aus und wollen direkt gleich sofort loslegen. Da ist Windows installiert? Ok, clickety-click. Und es liegt an Schulen und Universitäten, die ebenfalls ohne Not Windows einsetzen. Auf diese Weise wächst der Nachwuchs mit Windows auf (oder mit Apple, da ist es das gleiche bzw. noch schlimmer, d.h. die Indoktrinierung dort ist schlimmer) und weiss gar nichts von Linux.

Und angesichts dessen ist die Heraufbeschwörung eines Problems weil es zu viele Forks gibt, totaler Unsinn. Wahrscheinlich hat dem Autor einer gesagt: Hey schreib mal was mit Linux Desktops. Oder so. Man weiss es nicht.

Übrigens - ich verwende FreeBSD und das hier ist mein "Desktop" (Fenstermanager CTWM):

2012-08-10 - CTWM:

10 August 2012 | #source