Prometheus - der letzte Science Fiction Film

 

Ich war gestern mit Sohnemann im Kino und habe Prometheus gesehen. Ich bin maßlos enttäuscht und das auf vielen Ebenen. Da weiss ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Sehen wir uns mal die Handlung an, die in kurzen Sätzen erzählt ist: Archäologen finden auf diversen Schrifttafeln und Höhlenzeichnungen Hinweise auf eine Sternenkonstellation, das sie dahingehend deuten, dass dort unsere Schöpfer seien. Der Weylandkonzern rüstet eine Mission aus und man fliegt hin, findet ein Raumschiff einer anderen Spezies (unserer Schöpfer), die wohl vorhatten, die Menschheit wieder zu vernichten plus hier und da eingestreute Aliens (die aber nur eine Nebenrolle spielen). Unsere Vernichtung wurde verhindert, eine Archäologin ist mit einem dieser fremden Schiffe abgehauen um die Schöpfer zu suchen und die anderen sind gestorben. Fertig.

Dieser Plot ist hanebüchen, dünn, substanzlos und unkreativ, was nicht verwundert, schaut man sich an, von wem er geschrieben wurde: Damon Lindelof. Ein Drehbuchautor für Serien, der noch nie irgend etwas mit Science Fiction zu tun hatte. Warum sich Ridley Scot ausgerechnet so jemanden dafür ausgesucht hat, ist ein Rätsel. Wie dem auch sei - nehmen wir den Film mal Stück für Stück auseinander:

- Technik

Dieser Film war der zweite 3D Film, den ich je besucht habe. Den ersten habe ich Mitte der 80er in der DDR gesehen, das war ein sowjetischer Naturfilm gewesen. Man hatte da noch diese Brillen, wo eine Seite rot und die andere grün war. Dieses Erlebnis damals hat mich so beeindruckt, dass ich mich heute noch lebhaft daran erinnern kann. Mir ist ein Schmetterling vor der Nase herumgeflogen. Einen solchen Eindruck hatte ich bei Prometheus 3D nicht. Das Geschehen spielte sich vorne auf der Leinwand ab. Ja es war dreidimensional, aber nur ein bischen. Dinge im Vordergrund erschienen näher, aber der Hintergrund war flach, es gab keine Tiefe, keine Weite. Gerade bei Landschaftsaufnahmen hat sich die Grösse nicht erschlossen. Da hatte man bei Herr der Ringe in 2D Besseres gesehen. Alles in Allem ist auch bei diesem Film das "3D" Feature nur ein Gimmick, das wohl über die Mängel des Films hinwegzutäuschen versucht.

Die Spezialeffekte an sich waren ok, also Raumschiffe, die Landung oder der Flug durch die Atmosphäre sahen wirklich cool aus. Auch die ganzen Details wie die Brücke oder die Technik an Bord des fremden Schiffes sahen fantastisch aus.

- Handlung

Üblicherweise sollte ja die Handlung eines Filmes das tragende Element sein und Spezialeffekte dieses nur unterstützen. In Prometheus ist die Handlung aber ein Witz und die Effekte unterstreichen den Witz noch, bzw führen das ganze ad absurdum. Da haben wir also diese Archäologen, die die erwähnten Hinweise verschiedener Zivilisationen auf eine identische Sternenkonstellation finden. Das ist alles, was sie haben. Aber aufgrund dieser Indizien behaupten sie, dass dort unsere Schöpfer zu finden seien - die "Konstrukteure", wie sie sie nennen. Da ist wohl Damon Lindehof beim Googeln einmal zu oft über irgendwelche obskuren Dänikenseiten gestolpert. Und ich nehme mal an, der Mann hat in seinem Leben noch nie einen Science Fiction gelesen, geschweige denndass er eine Ahnung von Wissenschaft hat.

Ganz abgedreht wird es, als die beiden Archäologen der Crew ihre "Theorie" vorstellen, wegen der sie unterwegs sind. Was sie tun, nachdem sie bereits vor Ort angekommen sind. Sehr realistisch. Welcher normale Mensch besteigt denn ein Raumschiff, ohne zu wissen weswegen? Aber ich schweife ab. Einer der Anwesenden (ein Biologe) wendet dann belustigt ein, wie sich das denn mit "300 Jahre Darwinismus" vertrage (schon bei diesem Begriff zeigt sich die Denke der Macher, die die Evoltuionstheorie als einen *Ism betrachten und nicht als ernstzunehmende Wissenschaft). Die Antwort der Archäologin: sie glaube daran. An der Stelle ist die Diskussion im Film beendet. Was für eine Katastrophe. Jeder halbwegs gebildete Mensch sollte doch eigentlich wissen, dass man in der Wissenschaft mit Beweisen und Fakten arbeitet und nicht glaubt. Anscheinend ist Ridley Scot unter die Kreationisten gegangen, das würde das erklären. Denn wenn man mit Kreationisten streitet (diskutieren kann man mit denen nicht), behaupten die auch immer, man würde an die Wissenschaft oder an die Evolution "glauben". Dabei bedeutet Glauben Nicht-Wissen. Im Sinne von Nicht-Wissenschaft. Junge Menschen, die diesen Film sehen, werden mit solchen subtilen Sequenzen indoktriniert, die Wissenschaft für Unsinn zu halten und den Glauben (woran auch immer) für wichtiger. Allein für diese eine Sequenz verdient der Film bereits die volle Punktzahl: 10 aus der Minuskiste.

Aber mal von diesem Däniken-Kreationisten-Gebräu abgesehen: wie kommt man darauf, dass ein Sternzeichen, das verschiedene unserer Vorfahren an die Wände gemalt haben, auf unsere Schöpfer hinweist? Wo ist da der Zusammenhang? Das ergibt nicht nur keinen Sinn, es ist einfach nur dämliche Scheisse.

Es kommt aber noch besser. Wie gesagt, finden sie auf dem Mond ein Raumschiff dieser "Konstrukteure" und darin die Überreste eines dieser Wesen. Sie nehmen eine Probe und stellen fest, dass die DNA identisch mit der unseren ist. Und dann freuen sich die beiden Wissenschaftler und proklamieren, ihre Theorie sei bewiesen, sie haben unsere Schöpfer gefunden. Aha. Einmal mehr haben die Fakten mit der Interpretation der Protagonisten nichts zu tun. Wenn man im Weltraum ausserhalb unseres Sonnensystems die Leiche eines Wesens findet, dessen DNA mit unserer übereinstimmt, dann heisst das nur, dass wir und dieses Wesen gemeinsame Vorfahren haben. Nicht mehr und nicht weniger. Wie um alles in der Welt kann man aufgrund dessen die Behauptung aufstellen, das diese Übereinstimmung beweist, dass das Wesen uns erschaffen hat?! Mir ist das unbegreiflich.

Dann haben wir den unvermeidlichen Androiden, der während des Hinflugs vorsorglich alle möglichen antiken Sprachen und Schriften lernen musste, während die Crew in Stasiskammern war. Wie praktisch, fallen einem die Schuppen von den Augen, als man sieht, wie der Androide dann anhand dieser Kenntnisse völlig unbefangen die Steuerconsole des Schiffes der "Konstrukteure" bedient. Es ist der Androide, der einem Behälter der in einer Kammer mit einem Steinkopf (dessen Bedeutung übrigens nie erklärt wird) eine Flüssigkeit entnimmt. Es scheint die gleiche Flüssigkeit zu sein, die am Anfang des Films einer der "Konstrukteure" zu sich nimmt und an der er dann stirbt (er löst sich auf). Woher der Androide weiss, was für ein Zeug das ist? Man weiss es nicht. Warum entnimmt er es heimlich? Man weiss es nicht. Warum verabreicht er es an den einen Archäologen? Man weiss es nicht. Der Archäologe wird davon dann krank und damit das Schiff nicht kontaminiert wird, wird er mit einem Flammenwerfer ohne lange zu fackeln (sic) platt gemacht. Es gibt ein bischen Geschrei, aber ansonsten scheint das die Standardmethode zu sein, mit solchen Problemen umzugehen. Die Szene dauert höchstens zwei Minuten und hat nichts menschliches an sich.

Später stellt sich heraus, dass der alte Weyland gar nicht tot, sondern an Bord ist. Da sehen wir einen jungen Mann, den man verzweifelt auf alt getrimmt hat. Er versucht krampfhaft gebeugt zu gehen und auf alt zu machen aber man sieht glasklar, dass es sich um einen Schauspieler in den besten Jahren handelt. Das Gesicht ist fleckenübersät, die Haare sind kaum noch vorhanden, aber es gibt wenig Falten, keine schlaffe Haut, keine hängenden Augenlieder, keine herunterhängenden Schultern, keine trüben Augen. Und das alles ohne Not. Warum hat Scot für die Rolle nicht einfach einen echten alten Mann genommen? Völlig unverständlich. Vor allem im Hinblick auf die sonstigen Spezialeffekte ist der alte Weyland ein mehr als peinlicher Patzer. Jedenfalls wird der Alte aufgeweckt. In der Szene sieht man auf einmal weitere Crewmitglieder, Leibwächter oder Wachen oder was auch immer die darstellen sollen. Die waren vorher nie zu sehen. Man muss sich das wie bei Startrek vorstellen, wo allenthalben irgendwelche Nonames durchs Bild gelaufen sind. Nur bei Startrek war bekannt, dass da mehrere hundert Leute an Bord sind. Die Prometheus jedoch (das Raumschiff der Menschen heisst Prometheus) ist ein ziemlich kleines Schiff. Dass da noch mehr Leute an Bord sind, als man am Anfang dachte, ist sonderbar. Und die treten auch später nicht mehr in Erscheinung.

Der Alte tapert nachher in das Schiff der "Konstrukteure", wo man einen von den "Konstrukteuren" gefunden hat, der noch lebt. Selbstverständlich weiss der Android wie man den aufweckt, was sie dann auch ohne Zwischenfälle tun. Der Konstrukteur erwacht und erhebt sich. Wir erinnern uns, dass die DNA von dem Typ mit der unseren übereinstimmt. Trotzdem ist er zwei Köpfe grösser und hat am Hals so etwas wie Kiemen. Die Menschen labern ihn voll, der Androide bequatscht ihn mit irgendeiner unbekannten Sprache und der Ausserirdische fängt auf einmal an, um sich zu schlagen. Es kommt zum Handgemenge, der Androide geht kaputt, der Alte geht zu Boden, die anderen flüchten. Dann nimmt der Ausserirdische sein Schiff in Betrieb. Selbstverständlich weiss die überlebende Archäologin, dass er vorhat, zur Erde zu fliegen um die Menschheit zu vernichten (mit der erwähnten Flüssigkeit, die den Körper auflöst, mit der ein Lagerraum des Schiffes randvoll gefüllt ist). Die verbleibende Crew an Bord der Prometheus steuert das menschliche Schiff in einem Kamikazemanöver in das fremde Schiff, welches dann abstürzt.

Da hat doch jemand zu viel Grass geraucht! Warum greift der "Konstrukteur" die Menschen und den Androiden an? Und was hat der Androide überhaupt zu ihm gesagt (da waren keine Untertitel dabei)? Und woher wussten die überhaupt, dass die Flüssigkeit etwas schlimmes ist? Immerhin hatte der Androide dem anderen Archäologen etwas davon heimlich verabreicht. Keiner wusste davon und keiner hat ihn nachher untersucht. Auch nicht, nachdem er - auferstanden von den Toten wie ein Zombie (ja sogar Zombieelemente hat der Film, man muss ich das mal vorstellen!) - nochmal verbrannt worden ist. Der Androide hat auch niemandem davon erzählt. Aber allen war klar, die Flüssigkeit in den Behältern ist was schlimmes, gedacht, die Menschheit zu vernichten. Eine weitere dieser Schlussfolgerungen, die ohne jede Faktenlage getroffen wurde. Einfach so, weil es der Drehbuchautor so hingeschrieben hat.

- Widersprüche zu Alien I

Prometheus soll ja ein Prequel zu Alien I sein. Da sind sie bei mir ja richtig, immerhin habe ich Alien I mindestens zwanzig mal gesehen und ich liebe die Alienfilme. Die waren legendär und nichts hat sie bisher übertrumpft. Ein Meisterwerk.

Am Ende des Films stürzt das Schiff der Konstrukteure ab und landet nachher genausso, wie es da lag, wie sie in Alien I das fremde Schiff gefunden haben. Allerdings erinnern wir uns, dass dieses fremde Schiff in Alien I eigentlich dort tausende oder gar millionen Jahre lang so rumgelegen ist, so viel Staub hatte sich da angesammelt. Trotzdem will uns dieser Film weismachen, Menschen hätten das Schiff zum Absturz gebracht wo es später andere Menschen gefunden hätten - aber sicher keine tausenden Jahre danach.

In Alien I haben sie einen toten Ausserirdischen gefunden. Er saß in einem Sessel und über sich so etwas wie ein Fernrohr. In Prometheus hat man diesen Raum recht gut nachgebildet, es ist klar, dass es derselbe Raum sein soll. Nur, dass der einzige lebende "Konstrukteur" nach dem Absturz sein Schiff verlassen hat, um die überlebende Archäologin zu verfolgen. Und der ist dann ab Bord einer Notfallkapsel von einem Alien getötet worden. An Bord seines Schiffes auf dessen Brücke war also keiner dieser "Konstrukteure". Obwohl man in Alien I dort einen gefunden hat. Dass Lindelof den Film Alien I nicht gesehen hat, wundert mich nicht. Aber dass Scot über solche Details nicht gestolpert ist - kann ich mir nicht erklären. Aber kommt noch besser.

Aus Alien I wissen wir, dass die Struktur, die wie Knochen aussah, tatächlich Knochen war. In der Mitte von innen aufgebrochen wie wir wissen, von einem geschlüpften Alien, verursacht. In Prometheus jedoch wurde aus den Knochen eine Art Anzug gemacht, der schöne, gruselige ausserirdische Schädel, den wir aus Alien I kennen, wurde zum Helm gemacht. Und darunter kommt ein Wesen zum Vorschein, dass uns Menschen recht ähnlich sieht, bis auf die Kiemendinger am Hals. Stimmt das mit Alien I überein? Nein, kein bischen.

Faszinierend war in Prometheus die Technik, vor allem an Bord des irdischen Raumschiffes. Coole holografische Displays und allerlei leuchtende 3D Gimmicks. Der Film soll aber ein Prequel sein. Und in Alien I haben sie normale Monitore auf der Brücke gehabt. Der aber später handeln soll, als Prometheus, die jedoch wesentlich fortschrittlicher ausgerüstet ist, als die Nostromo es war. Wir kennen das vom neuen Startrekfilm, der auch ein Prequel war und trotzdem moderner ausgestattet war, als alle Startrekfilme davor. Aber Startrek ist Startrek. Das ist kein Science Fiction, der Anspruch auf Realismus hat. Aber Alien war gerade wegen seines Realismus so erfolgreich. Wahrscheinlich haben sie sich gedacht, hey die Handlung ist es so dünn, lasst uns wenigstens das Raumschiff cool gestalten. Cool sah es aus, ohne Zweifel. Aber für ein Raumschiff, das älter als die Nostromo sein soll, absolut inakzeptabel. Oh - und es gab doch tatsächlich einen Holotisch. Ja, den kennen wir aus Avatar. Genau so einen. Identisch. Sogar die darüber schwebenden Statusanzeigen mit irgendwelchen Zahlen waren mit dabei. Wenn die in Alien I sowas gehabt hätten... ach nee, das fand ja danach statt, da gab es sowas noch nicht, äh nicht mehr, äh ... Grundgütiger!

Und die Aliens. In Alien I waren die gruselig und schrecklich. Neben Ripley hatten sie die Hauptrolle, ein tragendes Element. In Prometheus war die Rolle der Aliens unbedeutend und undurchschaubar. Da gab es solche Würmer, aus denen später so eine Art Schlangen wurden. In zwei Fällen haben sie Menschen angegriffen (durch den Hals, wie man es kennt). Aber die hatten keine Greifarme, wie wir das aus allen Alienfilmen kennen, sondern eher Tentakel. Wieso diese Änderung? Unbegreiflich. Und anscheinend sind die anfänglichen Würmer aus dieser Flüssigkeit enstanden, die an Bord des Schiffes der "Konstrukteure" in diesen konisch geformten Behältern eingelagert waren. Warum? Das wird nicht erklärt. Und der erwähnte gegrillte Archäologe hatte Sex mit der überlebenden Archäologin, die wiederum dann schwanger war. Mit einem Alien. Das ist etwas völlig neues. Warum jetzt das? Und während es keinem einzigen Befallenen in allen Alien und Alien vs. Predator Filmen je gelungen ist, den Parasiten, der in ihnen wächst, loszuwerden - der Archäologin ist es gelungen, denn sie hat ihn sich selbst in einem automatischen Operationstisch per Kaiserschnitt entfernt. Wie soll das zusammenpassen? Warum so viele Abweichungen? Ich bin erschüttert.

Mir hat sich auch der Zusammenhang zwischen der Flüssigkeit und den Aliens nicht so recht erschlossen. Ich dachte, die Flüssigkeit, sei das Zeug, das einen Körper auflöst. Das hat man nämlich gesehen, als sich der Körper des Archäologen so zersetzte. Er hat so schwarze Flecken bekommen, Verformungen und so weiter. Und die waren identisch zu den Symtomen des "Konstrukteurs" in der Anfangssequenz des Films, der mit dem Zeug aus unerklärlichen Gründen Selbstmord begangen hatte. Im Auge des Infizierten hat man auch einmal so ein kleines Würmchen gesehen. Ist das aus dieser Flüssigkeit entstanden? Und wurde dann beim Sex auf die andere Archäologin übertragen? Absolut unklar alles. Auf jeden Fall bietet der Film nicht den Hauch einer Erklärung, woher die Aliens aus Alien I gekommen sind oder was diese "Konstrukteuere" mit denen zu tun hatten.

Es wird zum Beispiel auch nicht gezeigt, warum die Schiffe der "Konstrukteure" überhaupt auf diesem Mond geparkt sind. An Bord des Schiffes, dass die "Forscher" untersuchen, finden sie diverse Leichen der "Konstrukteure" und ihnen wird einmal eine Re-Animation gezeigt, wie die Fremden durch ihr Schiff laufen, als ob sie verfolgt würden. Von Aliens wahrscheinlich. Ich als alter Alienfreak weiss das. Mein Stiefsohn wusste es nicht. Er hat das überhaupt nicht verstanden. Und zwar nicht weil er begriffstutzig ist, sondern weil es der Film nicht schafft, auch nur die simpelsten Zusammenhänge logisch und nachvollziehbar zu erklären.

Wenn die "Konstrukteure" diese Flüssigkeit, aus der anscheinend die Aliens entstehen können UND die einen Körper auflösen kann (genau weiss ich es nicht), erschaffen haben, warum hatten sie dann nicht das Knowhow um damit zurechtzukommen und nicht selbst Opfer davon zu werden? Macht das irgendeinen Sinn? Und wenn sie es nicht erschaffen haben, warum haben die dann das ganze Schiff voller Behälter die das Zeug enthalten? Und warum lag in der Kommandozentrale ein "Konstrukteur" in einer Stasiskammer, lebendig, während seine Kollegen draussen vor der Tür längst versteinert waren? Wieso ist er in die Stasis gegangen? Oder wieso wurde er nicht geweckt, als seine Leute draussen starben? Warum ist er nicht wie anscheinend geplant, gestartet und zur Erde geflogen, um den Plan trotzdem umzusetzen?

Diese Story hat sich ein Vollidiot ausgedacht.

- Cast

Die schauspielerischen Leistungen waren insgesamt unterirdisch. Einzig Michael Fassbender als Androide war überzeugend und gut gespielt. Alle anderen waren schlecht. Selbst Noomi Rapace, die ich als sehr gute Schauspielerin aus der Millenium-Trilogie in Erinnerung habe, war blass und unauthentisch. Charlize Theron war wohl überhaupt nur dabei, damit Scot mit einem Star glänzen konnte. Geleistet hat sie in dem Film nichts. Und den alten Mann erwähnte ich ja schon, wer auch immer den gespielt haben mag, es ist mir auch egal.

Wobei man entschuldigend einwerfen muss, dass die Story so schlecht ist, dass man den Schauspielern eigentlich keinen Vorwurf machen kann. Man kann eben nicht aus Scheisse Bonbons kochen.

- Fazit

Der Film ist eine Enttäuschung. Wie sehr hatte ich mich darauf gefreut und dann so was. Gäbe es nicht die teuren Spezialeffekte, würde ich den Film unter B-Movie einordnen. Er hat mit Alien nichts zu tun. Die Handlung ist sprunghaft, zerhackstückelt, zusammenhang- und sinnlos. Es gibt haufenweise logische Fehler, ausgemachte Dummheiten, gar infame Lügen, kreationistische Propaganda und Amateur-"Archäologie" die sogar unter Dänikens Niveau ist. Der Film nimmt sich keine Zeit, etwas zu erklären, zu erzählen. Man hat das Gefühl, der Drehbuchautor hat aus allen möglichen dubiosen esotherischen Quellen hier und da was herausgepickt und das dann krampfhaft zusammengepappt, lieblos und ahnungslos, ja inkompetent. Die Charaktere werden nicht eingeführt, sie sind farblos, austauschbar, uninteressant, redundant.

Auf dem Cover des Films ist ein Steinkopf zu sehen, der auch im Film auftaucht. Er befindet sich an Bord des Schiffes der "Konstrukteure". Der Kopf hat keine Bedeutung in dem Film. Auch die Referenz zum antiken Prometheus ist unerklärlich, abgesehen davon, dass das Schiff so heisst. Warum dieser Steinkopf das Titelbild des Films ist, macht keinen Sinn. Er hat nichts mit der Handlung zu tun, taucht nur einmal kurz auf und ist bedeutungslos. Anscheinend soll seine Verwendung auf dem Cover die grundsätzliche Bedeutungslosigkeit (oder Ahnungslosgkeit) des gesamten Films unterstreichen. Insofern ist das Cover als gelungen zu bezeichnen.

Scot redet sich heraus (man kann das bei Wikipedia nachlesen), dass der Film noch zu viele Fragen unbeantwortet lässt und er eventuell noch einen Sequel nachliefern muss. Ich glaube, der Mann leidet unter kognitiver Dissonanz. Der Film lässt nicht einfach Fragen unbeantwortet (was an sich ja nichts schlimmes sein muss, Alien I lässt eine Menge Fragen unbeantwortet und ist trotzdem ein Meisterwerk!), sondern macht sich erst gar nicht die Mühe, die richtigen Fragen zu stellen. Und logische Widersprüche, durch Unwissenheit oder Desinteresse verurachte Fehler und ideologisch verbrämte Lügen sind keine "offenen Fragen", die ein weiterer Film zu beantworten hätte.

Es ist traurig. Und ich frage mich, was aus Ridley Scot nur geworden ist. Welcher Gehirnwäsche er sich wohl unterzogen hat. Warum ein solcher Meister so einen schlimmschlechten Film fabriziert hat. Dieser Film ist das dramatische Ende von Ridley Scot. Und wenn man sich die Science Fiction Filme der letzten Zeit ansieht, scheint das ein allgemeiner Trend zu sein. Im Grunde ist Science Fiction im Kino erledigt. Wenn überhaupt, dann hat dieser Film den Genre den Todesstoss versetzt.

Update 2014-04-22:

Wah, noch mehr Unsinn:


Und da ist eine Menge haarsträubender Quark dabei, den ich noch gar nicht auf dem Radar hatte!<p>Update 2013-05-02:</p>Wie sich herausstellt, beinhaltet der Film noch mehr Fehler! Und zwar ist die ganze Herangehensweise der Archäologen den Tempel zu untersuchen, komplett unrealistisch und falsch.

12 August 2012 | #kino

 

Was Herr Leemhuis nicht über X11 Fenstermanager weiss

Heute hat Thorsten Leemhuis bei Heise einen Artikel darüber veröffentlicht, dass angeblich die Gefahr drohe, dass der [Linux-]Desktop zersplittere. Und zwar weil jemand den Gnomedesktop geforkt und Ubuntu Unity eingeführt hat.

Fangen wir mal beim grundsätzlichen an, Herr Leemhuis schreibt:

Statt zwei sind es daher nun sechs Desktops, die hoch in der Gunst der Anwender stehen. Diese Konkurrenz wird sicher das ein oder andere nützliche Bedienkonzept entstehen lassen; aber das wird die Nachteile, die der Wettbewerb und die Zersplitterung mit sich bringen, nicht aufwiegen können. [Hervorhebung von mir]

Es ist hier die Rede von Opensource Software. Die mag im "Wettbewerb der Beliebtheit" stehen, mehr aber auch nicht. Eine "Konkurrenz" gibt es in dem Bereich nicht. Es gibt keinen "Desktop Hersteller" im eigentlichen Sinne, auch wenn zum Beispiel die meisten Entwickler von Gnome bei Redhat angestellt sein mögen. Dieses Marketinggeschwätz passt überhaupt nicht zum Gedanken, der hinter Linux im speziellen und Opensource im Allgemeinen steht. Oder weniger nett formuliert: Hätte Herr Leemhuis hier die ganzen Bullshitbingobegriffe weggelassen, wäre der Artikel nur noch halb so voll gewesen - allerdings auch von jedem weiteren Sinn befreit. Denn wenn man sich vor Augen hält, dass es diese herbeifabulierte Konkurrenz gar nicht gibt, dann wird einem schnell klar, dass keine Gefahr droht, wenn es plötzlich mehr Desktops gibt als vorher. Insofern hätte sich der Artikel bereits an Substanzlosigkeit in Luft aufgelöst.

Der Denkfehler (oder soll ich es eklatante Wissenslücke nennen?) ist jedoch, dass genau dieses forken und weiterentwickeln der eigentliche evolutionäre Motor der gesamten Opensourcebewegung ist. Wieviele coole Dinge nutzen wir heute, die als Forks angefangen haben? FreeBSD, Firefox oder Android - um nur ein paar zu nennen. Und es war schon immer so, dass es mehr Forks gibt, als Überlebende. Nur ein paar geforkte Projekte entwickeln sich wirklich signifikant weiter und überholen das Elternprojekt oder lösen es sogar später ab. Auf dem Weg dahin gibt es immer reichlich Tote (Projekte). Das ist wie bei der natürlichen Evolution. Wir Menschen sind auch nur Forks. Und wir sind der einzige überlebende Fork, nicht der einzige den es je gab. Auf dem Weg vom kleinen Säuger bis zu uns Homo Sapiens sind zig tausende Arten ausgestorben. Nicht anders ist das bei Opensource.

Das ist völlig normal. Und weil das so ist, gibt es immer von allem mehrere. Es gibt mehrere Terminalprogramme, mehrere Mailprogramme, mehrere Shells, mehrere Interpreter, mehrere Compiler, mehrere Grafikprogramme, mehrere Taschenrechner und natürlich auch mehrere Fenstermanager. Und das ist verdammt gut so.

Und da wären wir beim eigentlichen Verständnisproblem: tatsächlich gibt es gar keinen "Desktop" unter Linux. Die grafische Oberfläche unter Linux (und übrigens auch FreeBSD, OpenBSD oder OpenSolaris) ist X11. Das stellt Protokolle für die Client-Server-Kommunikation zwischen grafischen Komponenten zur Verfügung. Darauf setzt der Fenstermanager auf. Es gibt mehrere Dutzend Fenstermanager. Wobei da nur die aktiv entwickelten gezählt sind. Einschliesslich aller Existierender sind es Hunderte!

Und auf dem Fenstermanager kann ein Sessionmanager aufsetzen. Gnome oder KDE sind solche Sessionmanager. Tatsächlich ist der Fenstermanager, den KDE verwendet KWin. Den kann man sogar ohne das KDE-Gedöhns benutzen. Plünnkram wie eine Taskbar, Startmenü oder Drag&Drop bietet der Sessionmanager an.

Grundsätzlich kann jeder Anwender den Fenstermanager (oder Sessionmanager) verwenden, den er will, und zwar völlig unabhängig davon, welche Linuxdistribution er einsetzt oder was dort der Default sein mag. Meinetwegen kann Ubuntu vorgeben, was es mag. Wenn ich nicht mit Unity arbeiten möchte, lösche ich es und installiere was anderes. Und wenn es Ratposon ist. Und nein, man muss dazu nicht mal ein erfahrener Anwender sein, die Ubuntu Bordmittel, namentlich das Paketsystem, erlauben so etwas.

Aber zurück zu Herrn Leemhuis. Er macht sich Sorgen über "Linux auf dem Desktop":

Wenn ich noch an den von vielen gehegten Wunschtraum "Linux auf dem Desktop" glauben würde, dann würde ich sagen, der rückt damit wieder etwas weiter in die Ferne

Ich frage mich, wen er mit "den vielen, die den Wunschtraum hegen" meint. Oder wieviele. Wahrscheinlich ein paar Marketingleute, so wie er einer zu sein scheint, die meinen sich mit Linux beschäftigen zu müssen. Und das Wort "Wunschtraum" ist dann auch gleich die Negation davon, denn ein Wunschtraum ist ein unerfüllbarer Traum.

In der Realität jedoch hat Linux und Opensource den Planeten nachhaltig erobert. Es hat nachweisbar und messbar die Welt signifikant verändert. Nehmen wir nur das Mobile-OS Android. Platz 2 nach Apple im Smartphonemarkt. Bald wird es einen Opensource-Sateliten geben. Ich könnte unendlich lange Beispiele aufzählen. Ja es mag sein, dass Linux am Desktop nicht weit verbreitet ist. Aber das liegt sicherlich nicht daran, dass es zu viele Fenstermanager oder Desktopsysteme gibt. Oder dass die, die es gibt schlecht wären (sind sie nicht, mein Stiefsohn arbeitet seit einem Jahr mit KDE und ist nachweislich ein völliger Noob was Rechner angeht - und ist klaglos zufrieden).

Die Ursache ist, dass PC Hersteller ohne Not ihre Systeme mit komerzieller Software vorinstallieren. Und die allermeisten PC-Käufer packen das Teil aus und wollen direkt gleich sofort loslegen. Da ist Windows installiert? Ok, clickety-click. Und es liegt an Schulen und Universitäten, die ebenfalls ohne Not Windows einsetzen. Auf diese Weise wächst der Nachwuchs mit Windows auf (oder mit Apple, da ist es das gleiche bzw. noch schlimmer, d.h. die Indoktrinierung dort ist schlimmer) und weiss gar nichts von Linux.

Und angesichts dessen ist die Heraufbeschwörung eines Problems weil es zu viele Forks gibt, totaler Unsinn. Wahrscheinlich hat dem Autor einer gesagt: Hey schreib mal was mit Linux Desktops. Oder so. Man weiss es nicht.

Übrigens - ich verwende FreeBSD und das hier ist mein "Desktop" (Fenstermanager CTWM):

2012-08-10 - CTWM:

10 August 2012 | #source

 

Mächtige Dinge wagen: Ein 1-Tonnen nuklear betriebenes Chemielabor auf dem Mars

Das ist einfach nur grossartig. Was für eine Leistung. Wow!

Oder wiePhil Plait sagt:

When we dare mighty things, we achieve mighty things.

Indeed!

09 August 2012 | #space

 

3D Panarama Artefakte

Einmal mehr bin ich schwer beeindruckt vom Werk meiner Schwester, der Virtuellen Wanderung Chiemgauer Alpen. Man kann sich auf der Seite verlieren. In den 3D Panoramen kann man sich in den Bergen umsehen und umherwandern, von Panorama zu Panorama. Wirklich klasse.

Was ich witzig fand, waren die Artefakte, die sich "unter" jedem Panorama finden, also da wo die Fotografin gestanden hat. Dort ist immer so eine Kugel, in der sich das komplette Panorama spiegelt. Sieht wirklich alien aus :)

Anbei mal zwei vergrösserte Versionen und mehrere kleine zusammengestellte. Da könnte ich glatt ne Sammlung draus machen.

2012-08-08 - Artefakt Hohenstaufen:

2012-08-08 - Vier Einzel Artefakte:

2012-08-08 - Artefakt Zoomed:

08 August 2012 | #fotografie

 

Security by obscurity

Einem Gizmodo-Mitarbeiter ist etwas schlimmes passiert: seine komplette Onlineidentität ist kaputt. Hacker sind in seinen Amazonaccount eingedrungen, wozu sie nur eine Rechnungsanschrift, die sie aus dem Whois hatten, die Mailadresse, die auf seiner Website stand sowie den Benutzernamen, der öffentlich ist. Neue Emailadresse hinterlegt, Passwort resettet - schwupps waren sie drin. Dort wurden die letzten 4 Ziffern der Kreditkarte angezeigt. Dann sind sie auf den Googleaccount gegangen, Password Recovery (die sie gar nicht erst durchgeführt haben), dort wird zum Teil die hinterlegte Emailadresse angezeigt, die auf @me.com endete - eine AppleID also. Ein Anruf bei Apple, dort die o.g. letzten 4 Stellen der Kreditkarte plus die Apple Emailadresse (das Prefix vor dem @ war bei Google und me.com identisch) und schon hatten sie den AppleID Account. Damit sind sie in die iCloud reingekommen und in den Googlemailaccount. Schaden: Telefon, Tablet, Notebook - alles remote gelöscht. Googlemail - gelöscht. Twitter - gelöscht. Und der gute Mann hatte kein Backup.

Ich werde mich hier nicht über die diversen Fehler des Mannes auslassen, die hat er korrekt selber erkannt und auf dem o.g. Link auch dokumentiert. Kurz zusammengefasst: Backups und Accountverlinkung. Auf letzteres will ich hier mal näher eingehen.

Unter "Accountverlinkung" verstehe ich hier die Verknüpfung diverser Onlineaccounts. Im o.g. Fall war z.b. die AppleID die hinterlegte Notfall-Emailadresse des Googleaccounts. Und die Google Mailadresse wiederum wurde bei Twitter verwendet. Und so weiter. Um ein solches Desaster zu vermeiden, wird empfohlen, die Zweifaktorauthentisierung beim Google zu aktivieren. Den letzteren Link hab ich von wirres.net, worüber ich auch auf die Geschichte gestossen bin. Und das hat mich stutzig gemacht. Wirres.net hat diverse Male davon berichtet, wie er auf DDG umgestiegen ist, um der Verfolgung durch Google zu entkommen (u.a.). Die Zweifaktorauthentisierung bei Google verschlimmert das Problem aber noch einmal expotentiell.

Das Problem mit Google ist, dass man eine Session hat, sobald man es aufruft (also die reine Suchmaschine). Diese Session ist - theoretisch - unendlich lange haltbar. Und Google hat so einen "User", der mit den Suchanfragen verknüpft ist, selbst wenn man gar nicht eingeloggt ist. Das wäre für sich betrachtet nicht weiter dramatisch, aber Google hat einen Algorithmus, der zum Ziel hat, die Suche für einen Benutzer stetig zu verbessern. Dadurch verändern sich im Lauf der Zeit die Suchergebnisse. Nehmen wir ein einfaches Beispiel: jemand sucht regelmässig nach politischen Themen, folgt dann aber immer nur Links, die auf rechtskonservative Seiten führen. Google wird derartige Seiten mehr und mehr präferieren, davon ausgehend, dass das dem Willen des Benutzers entspricht. Aber dadurch entgehen dem Benutzer nach einer Weile andere Seiten, auf denen womöglich Sachverhalte völlig anders dargestellt werden. Die Suchergebnisse sind also nicht mehr neutral, sondern eingefärbt. Allerdings nicht vom Willen und der Meinung des Benutzers, sondern von dem was ein Roboter meint, was der Willen des Benutzers sei. Was nicht notwendig den Tatsachen entsprechen muss, es könnte ja ein recherchierender Journalist eines kommunistischen Wochenblattes sein.

Dieses Verhalten ist schon lange bekannt und es ist einer der Gründe dafür, warum man seinen Browser üblicherweise so einstellen sollte, dass er Cookies beim Beenden löscht. Das Löschen der Cookies hat ausserdem den Vorteil, dass die diversen tausend anderen Trackingdienste im Internet nicht funktionieren. Denn das Usertracking ist das zweite Problem, etwas, das natürlich auch Google tut. Wenn man nun aber die erwähnte Zweifaktorauthentisierung bei einem Googleaccount benutzen möchte, darf man die Googlecookies nicht löschen. Das heisst, man dürfte schon, aber dann müsste man sich jedes mal wenn man sich einloggen will, so einen bekloppten Code aufs Handy schicken lassen. Niemand will das, weil es nervt. Das wusste Goolge aber schon vorher und genau das ist die Idee dahinter. Die Leute wollen mehr Sicherheit, die Zweifaktorauthentisierung klingt nach mehr Sicherheit (ist es nicht, siehe weiter unten) also machen sie es. Und gleichzeitig soll es aber nicht nerven, also lassen sie die Cookies drin, jedenfalls zumindest die von Google.

Und schon kann Google den Benutzer nicht nur tracken, auch die Suchergebnisse bleiben nicht mehr neutral sondern werden im Lauf der Zeit eingefärbt. Genau, was Google will. Und nebenbei hat Google auch noch die Handynummer des Benutzers.

An der Stelle kommt meine paranoide Persönlichkeit zum Vorschein und fragt: cui bono? Tatsächlich ist es doch so: Wenn jemand einen Googleaccount hat und dort nicht seinen Realname angegeben hat, dann weiss Google im Grunde nicht wirklich, welcher konkrete Mensch dahinter steckt. Google könnte es sich zusammenreimen, zum Beispiel anhand von Mailinhalten oder Suchanfragen. Aber definitiv 100%ig sicher würden sie es wissen, wenn sie die Handynummer haben. Denn - jedenfalls in Deutschland - eine Handynummer ist nicht anonym. Über die Handynummer lässt sich ein echter Mensch mit Adresse ermitteln. Nicht, dass Google das tun würde, der Staat aber ganz sicher. Entweder bei einer Rasterfahndung, die ja immer mehr in Mode kommen, auch wenn sie strikt verboten ist (oder gerade deswegen) oder einfach nur, weil man wegen irgendeiner bescheuerten Äusserung irgendwo jemandem auf die Füsse getreten ist, oder weil man eine unangenehme Meinung vertritt.

Schon aus diesem Grund ist diese Zweifaktorauthentisierung kein Sicherheitsgewinn sondern eine Risikoerhöhung, eine Gefahr - im Worstcase - für Leib und Leben. Die Frage ist also, wie kriegt man das hin, dass die ganzen Onlineidentitäten möglichst sicher, möglichst wenig oder gar nicht miteinander verknüpft sind und möglichst wenig davon mit meiner echten Person verbunden ist? Letzteres ist das wichtigste.

Regel Nummer eins ist klar: nicht verknüpfen. Mehrere Emailaccounts verwenden. Wegwerfaccounts für den Login in irgendwelchen Diensten benutzen. Das heisst konkret: die Email, die bei Twitter hinterlegt ist, wird nur dafür benutzt, für sonst nichts. Die Email, die bei Facebook hinterlegt ist, wird auch nur für Facebook benutzt. Und so weiter. Ja, das führt dazu, dass man eine Menge Emailaccounts am Hals hat, zusätzlich zu den ohnehin schon vielen Accounts auf irgendwelchen Seiten. Aber dadurch sind die alle nicht miteinander verbunden. Das ist es definitiv wert. Ich persönlich verwende für solche Zwecke Aliases auf meinem eigenen Mailserver. Das macht es natürlich am komfortabelsten. Und freilich habe ich eine eigene Domain für solche Accounts, meine eigentliche Emailadresse zum Mailen befindet sich in einer anderen Domain. Aber nicht jeder hat diese Möglichkeit (Wissen und Geld um einen eigenen Server zu betreiben, heisst das). So jemand würde ich zum Beispiel hush.com empfehlen. Ist sehr einfach, man kann sogar verschlüsselte Mails senden und empfangen und der Kram lässt sich mit Pop3 oder sowas auch abholen. Es gib noch diverse andere Anbieter für solches Zeugs.

Eine andere Variante - für weniger wichtige Dinge - wäre Mailinator. Hier braucht man nicht mal einen Account. Und die Emailadresse, die man hier "erstellt" kann one-way encoded werden. Beispiel: M8R-h4j5qg@mailinator.com. Anhand des Prefix M8R-h4j5gg kann man nicht die echte Emailadresse ermitteln, die dahinter stand, das war nämlich eigentlich test@mailinator.com. Man erstellt dort also eine Adresse, sagen wir test@mailinator.com und dann wird dort oben diese "alternate address" angezeigt. Diese wiederum verwendet man, um sich irgendwo einen Account zu erstellen. As easy as possible. Freilich muss die ursprüngliche Emailadresse etwas schwer erratbares oder seltenes sein. Ich für meinen Teil verwende MD5 Checksummen der aktuellen Uhrzeit. Auf diese Weise komme nur ich an die Emails ran, die da landen mögen und sonst keiner. Und das muss ich auch nur, wenn ich das Passwort von dem Account resetten muss.

Ansonsten: keine persönlichen Daten angeben. Keinen Real Name, keine Telefonnummer, nicht den Wohnort, nicht den Mädchennamen der Mutter. Und bei Twitter auch nicht auf die eigene Webseite verlinken. Oder umgekehrt. Fast jeder macht das so. Aber wozu? Muss nicht sein, meiner Meinung nach. Weiters überalle verschiedene Passwörter benutzen. Und zwar nicht möglichst komplizierte, sondern Diceware Passwörter. Es gibt auch einen Webcomic, der das Problem schön veranschaulicht. Das Prinzip ist recht einfach: man verwendet einfach mehrere Wörter als Passwort. Nicht diesen Kram mit Zahlen und Sonderzeichen. Sondern etwas wie "ticket gleise verspätung ankunft" und hat damit die maximale Sicherheit. So etwas kann niemand erraten, keine Bruteforceattacke wird je darauf kommen und so ein Passwort wird auch nie in irgendeinem Dictionary stehen. Und man kann es sich merken.

Wenn man sich an diese paar einfachen Regeln hält, ist man weitgehend sicher vor solchen alptraumhaften Hacks, wie der oben genannte. Und man muss sich bei solchen Vorkehrungen immer vor Augen halten, wovor man sich schützen muss:

  • geleakte Datenbanken, die Passworthashes enthalten
  • gezielte Hackerangriffe
  • Verfolgung durch Behörden oder andere Organisationen

Insbesondere letzteres werden viele Leute als paranoid belächeln. Was hab ich schon verbrochen, weswegen mich ein Ermittler verfolgen wollen würde? Aber das geht ganz schnell. Der Sohn lädt über ein P2P Netz einen Film hoch, man wird auf einer Demo fotografiert, an der man nur vorbeiging, oder man kennt jemand, der auf einmal in irgendein Raster fällt. Ich empfehle dazu die Lektüre des Falles von Andrej Holm (hier die Webseite seiner Frau, die darüber ausführlich berichtet hat). Ein an sich völlig harmloser Wissenschaftler, der plötzlich ins Visier der Polizei geriet weil irgendwelche Verrückten bei Brandanschlägen Pamphlete verbreitet haben, die einen (EINEN!) Begriff enthielten, über die der Mann veröffentlicht hatte. Und sämtliche Bekannten dieses Mannes und seiner Frau sind über Jahre überwacht worden. Und viele davon waren vollkommen harmlose Menschen, die vorher mit Sicherheit genau das gesagt hätten: ach, das ist doch paranoid. Aber unser Staat entwickelt sich nun mal zusehends zum Polizeistaat und der geht mit solchen Ungerechtigkeiten einher.

Und angesichts dessen ist es ratsam, sein Onlineleben möglichst so zu gestalten, dass man im Fall der Fälle in Deckung ist und bleiben kann. Das ist nicht paranoid, sondern vernünftig. Also "Security By Obscurity" - was hier das Verbergen von Verbindungen meint - kann ein Baustein persönlicher Sicherheit sein.

07 August 2012 | #unfassbar